07.11.2019 - Märkte: DJE-Marktausblick November

-Maerkte-DJE-Marktausblick-November

Gelöste Blockaden

Die expansive Geldpolitik der Notenbanken unterstützt die Aktienmärkte nachhaltig. Was sie jedoch zurzeit beflügelt, ist die belastbare Hoffnung auf ein vorläufiges Ende des Handelskonflikts, auf eine Einigung in kleinen Schritten zwischen den USA und China. Das löst Blockaden und stimmt zuversichtlich für die kommenden Monate.

Erfahren Sie mehr im Video-Interview mit Florian Bohnet, Leiter Research bei DJE, und dem Wallstreet - Experten Markus Koch über das, was die Anleger in den nächsten Wochen erwartet.

Vorausschauend sind wir weiterhin konstruktiv eingestellt für die Aktienmärkte. Wir sehen die Chance für weltweite Konjunkturverbesserungen unter der Annahme, dass sowohl die Dramatik im Handelskonflikt als auch in der Brexit-Diskussion nachlässt. Im Grunde reichte es unseres Erachtens nach schon aus, wenn die Nachrichtenlage sich nicht verschlechtert.

Wir gehen sogar von einer konstruktiven Lösung im Handelskonflikt aus. In der Folge würden sich die Frühindikatoren, die aktuell auf Krisenniveau notieren, stabilisieren. Eine Verbesserung der Frühindikatoren wird unseres Erachtens vom Markt noch nicht eingepreist. Die Investoren sind zwar nicht mehr ganz so pessimistisch wie noch vor ein oder zwei Monaten, aber nach unseren Beobachtungen stehen noch viele Anleger an der Seitenlinie.

Aus den jahrelangen Kapitalabflüsse aus Europa könnten Zuflüsse werden, wenn sich die Konjunktur erholt. Gleichzeitig würden Investitionen aus den USA von einer festeren Währung profitieren, wenn der Euro weiter aufwertet und es sich für US-Investoren wieder lohnt auch außerhalb der USA – sprich in Europa – zu investieren.

In der Vergangenheit war eine steigende Geldmenge ein gutes Indiz für einen steigenden ifo-Geschäftsklimaindex. Und den erwarten wir jetzt auch. Die enge Geldmenge M11 ist in Europa um immerhin 8% gestiegen. Vor diesem Hintergrund glauben wir, dass die Sektorrotation – weg von defensiven Sektoren, hin zu Zyklikern – anhalten kann. Kurzfristig lässt sich das nicht sicher prognostizieren, aber mit Blick auf mehrere Monate sind wir davon überzeugt und würden kleinere Rückschläge zu einem stärkeren Engagement in zyklischen Werten nutzen. Mit dieser Strategie, Value-Titel2 zu finden und weiter aufzubauen, sind wir ohnehin in Deutschland und Europa unterwegs. Das spielt uns in die Karten und reduziert den Druck, den wir in den vergangenen Monaten durch den starken US-Markt und durch die Growth- und Quality-Werte3 hatten.

Wir gehen davon aus, dass gerade defensive Qualitätsaktien noch ein gutes Stück korrigieren können und nach wie vor sehr teuer sind. Diese defensiven, stabil wachsenden Aktien gelten als sogenannte Bond Proxies, das heißt, sie reagieren sehr sensibel auf die Bewegungen am Rentenmarkt. Mit dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeschlagenen Kurs geldpolitischer Lockerung (QE-Kurs4) dürfte der Konjunkturoptimismus zunehmen, und die Zinsen dürften etwas steigen, was die Bond Proxies unter Druck bringen sollte.

Wir können uns auch vorstellen, dass 10-jährige deutsche Staatsanleihen in absehbarer Zeit auch wieder Rendite abwerfen könnten – aktuell rentieren sie bei -0,38%. Besonders Anleihen mit längeren Laufzeiten würden darunter leiden, denn deren Renditen würden dann noch stärker ansteigen als die der 10-jährigen Papiere. Wir sind mit unserer traditionell kurzen Duration gut gewappnet. Auf der anderen Seite würden steigende Renditen denjenigen Ländern und Branchen helfen, die vom Markt als Value eingestuft werden (z.B. Deutschland und Japan oder den Branchen Automobile, Banken, etc.).

Wir bleiben auch bei unserer Meinung, dass die wirtschaftliche Lage in China besser ist als allgemein wahrgenommen. Diesen Eindruck hatten wir bereits während unserer letzten Reise in die Region. Ganz anders dagegen die Lage in Hongkong, wo es inzwischen zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen gekommen ist. Hongkong meiden wir daher weiterhin.

Fundamental – die Grundlage

  • Der US-Arbeitsmarkt ist sehr robust.
  • Der US-Einkaufsmanagerindex (ISM) ist sehr schwach, aber die Daten für die Auftragseingänge sind gut (gemessen am ISM Manufacturing New Orders Index).
  • Der chinesische Caixin Einkaufsmanagerindex steigt weiter, weil mittlere, exportorientierte Unternehmen sich sehr gut entwickeln.
  • Die Berichtssaison hat leicht positiv überrascht, vor allem auch, weil die Erwartungen vorher reduziert worden waren.
  • Die Marktteilnehmer erwarten für 2020 einen Gewinn von 10% pro Aktie im Schnitt. Zum Vergleich: Für das Jahr 2019 lag die Erwartung bei 0%.
  • Der PMI-Abwärtstrend (PMI = Purchase Manager Index = Einkaufsmanagerindex) könnte drehen. Das sieht man auch beim globalen PMI.
  • Der Handelsstreit könnte sich entspannen. China ist allerdings in einer besseren Verhandlungsposition als der US-Präsident Donald Trump
  • China ist gesünder als früher: Die Währungsreserven (Foreign exchange reserves oder kurz FX-Reserven) sind stabil, die Hauspreise steigen und Überkapazitäten sind kein Problem.
  • Der Sentix5 Konjunkturindex springt deutlich an.

 

Monetär – die Geldfrage

  • Der Bargeldumlauf von Nichtbanken (Geldmenge M1) steigt. Der M1 ist ein vorlaufender Indikator für die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) und den Ifo-Geschäftsklimaindex.
  • Wenn auf die ersten Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed keine Rezession folgt, dann sind die nächsten Monate stark.
  • Die Realzinsen sind sehr niedrig, das spricht nicht für einen Konjunkturabschwung.
  • Die QE-Maßnahmen der EZB könnten den Tiefpunkt für die Renditen bedeuten, denn nach QEs steigen die Renditen in der Regel an.
  • Die Zinsstrukturkurve6 wird wieder steiler. Eine Rezession wird damit unwahrscheinlicher, ist aber noch nicht ausgeschlossen.

 

Markttechnisch – die Stimmungslage

  • Die Teilnahmerate an Finanztreffs für interessierte Anleger ist – on- wie offline – sehr hoch.
  • Kapitalabflüsse in Europa könnten drehen.
  • Sollte der Bärenmarkt enden, ergäben sich daraus Chancen für Investoren mit möglichen Neuausrichtungen von Portfolios.
  • Vor US-Wahlen war der Markt in der Regel immer stark
  • Steigende Zinsen könnten Value-Werten helfen. (QE der EZB als Start für Zinsanstieg).

1 M1 = Bargeldumlauf bei Nichtbanken (also ohne Kassenbeständeder Geschäftsbanken) plus Sichteinlagen (Einlagen ohne vereinbarte Laufzeit ohne gesetzliche Kündigungsfrist) der Nichtbanken.

2 Value-Strategie: Hinter der Value-Strategie (engl. Value = Wert) steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren  eigentlicher Wert gegenwärtig von Marktteilnehmern noch nicht erkannt wird  (unterbewertete Unternehmen)

3 Growth-Strategie: Die Growth-Strategie (engl. Growth = Wachstum) konzentriert sich weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen. Quality Investing ist eine Anlagestrategie, die auf der Identifikation von Investitionsobjekten mit überdurchschnittlich hohen Qualitätsmerkmalen basiert. Die Idee des Quality Investing stammt aus der Welt von Anleihen und Immobilien, wo über Ratings und Gutachten die Qualität und auch der Preis des Investitionsobjekts bestimmt wird.

4 QE oder Quantitative Lockerung (quantitative easing) bezeichnet eine unkonventionelle Form der Ausweitung der Geldbasis (expansiv Geldpolitik) durch eine Zentralbank. Die Europäische Zentralbank beispielsweise kauft seit September 2019 monatlich und zeitlich unbegrenzt Staatsanleihen in Höhe von 20 Mrd. Euro auf. Zudem hat sie den Einlagenzinssatz von -0,4% auf -0,5% gesenkt, d.h. Geschäftsbanken müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Durch diese QE-Maßnahmen soll dem Markt mehr Liquidität zufließen.

5 Sentix = Sentiment Index = Marktstimmungsindikator. Der Sentix Konjunkturindex ist eine internetbasierte, wöchentliche Kapitalmarktumfrage. Er spiegelt die Wahrnehmung der Kapitalanleger zur Konjunktur wider und dient als ein konjunktureller Frühindikator, mit dessen Hilfe die wirtschaftliche Entwicklung verschiedener Länder und Regionen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, prognostiziert werden kann.

6Eine Zinsstrukturkurve gibt die Rendite einer Anlagengattung in Abhängigkeit von der Restlaufzeit wieder. Üblicherweise bezieht eine Zinsstrukturkurve staatliche Anleihen mit (Rest-)Laufzeiten von einem, zwei, drei bis zu zehn Jahren ein. Die langfristigen Zinsen liegen im Normalfall (normale Zinsstruktur) über den entsprechenden kurzfristigen Zinsen. Das wird mit Erwartungsunsicherheit oder mit einer Liquiditätsprämie erklärt. Im Falle der inversen Zinsstruktur sind die Zinsen auf Wertpapiere mit zunehmender Laufzeit geringer, was von den Marktteilnehmern oft als Signal für eine bevorstehende Rezession gewertet wird.

 

Hinweis: Alle veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Langfristige Erfahrungen und Auszeichnungen garantieren keinen Anlageerfolg. Wertpapiere unterliegen marktbedingten Kursschwankungen, die möglicherweise nicht durch das aktive Management des Vermögensverwalters oder des Anlageberaters ausgeglichen werden können. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen. Alle Angaben sind mit Sorgfalt und nach bestem Wissen entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Trotz aller Sorgfalt können sich die Daten inzwischen verändert haben. Weitere Informationen zu Chancen und Risiken finden Sie auf der Webseite www.dje.de. Der Verkaufsprospekt und weitere Informationen sind in deutscher Sprache kostenlos bei der DJE Investment S.A. oder unter www.dje.de erhältlich. Verwaltungsgesellschaft der Fonds ist die DJE Investment S.A. Vertriebsstelle ist die DJE Kapital AG.