26.07.2018 - Anlagethemen: DJE - Agrar & Ernährung

Anlagethemen-DJE-Agrar-und-Ernaehrung

„Frei von …“ – Die Nahrungsmittelindustrie im Umbruch

Die Nahrungsmittelindustrie ist im Umbruch. Jörg Dehning, Fondsmanager des DJE – Agrar & Ernährung, benennt die Herausforderungen der Branche und zeigt die Wachstumschancen der Zukunft auf, zum Beispiel den Trend zu Bio- oder „Frei von“-Produkten.

Herr Dehning, Sie haben in Ihrem Fonds einen besonderen Fokus auf die Nahrungsmittelindustrie. Die Branche konnte zuletzt nicht unbedingt überzeugen. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Wenn man die breite Branche betrachtet, haben Sie Recht. In den USA und Europa schwächelt der Absatz aufgrund der zum Teil rückläufigen demografischen Situation. Es gibt Konsolidierungswellen im Lebensmittelhandel, Handelsmarken üben einen anhaltenden Preisdruck aus und im Internet etabliert sich ein großer E-Commerce-Anbieter, der seinen Nahrungsmittellieferanten weitere Preiszugeständnisse abverlangt.

Rückläufige Geburtenraten und Handelsmarken gibt es aber nicht erst seit gestern.

Schon richtig. Nur haben weltweit tätige Konzerne ihre zum Beispiel in Europa unter Druck geratenen Margen bislang dadurch kompensiert, dass sie in Südamerika oder Asien expandieren konnten. Aufgrund politischer Instabilität wie in Brasilien, ungünstigen Währungsentwicklungen wie in Argentinien und der Türkei, höheren Verbrauchssteuern wie in Indien oder auf den Philippinen nehmen nun aber auch die Zuwachsraten in den aufstrebenden Ländern zusehends ab.

Wo liegen denn aus Ihrer Sicht die Erfolgsaussichten der Branche?

Die Branche ist im Umbruch. Sie sucht nach neuen Ansätzen und wachstumsträchtigen Nischen. Eine solche Nische ist der Markt für biologisch erzeugte Lebensmittel. Am Anfang waren es vor allem Frischeprodukte, also Eier, Milch, Obst und Brot. Doch jetzt gewinnen auch Bio-Fertigprodukte an Bedeutung. Damit erobert „Bio“ allmählich den Mainstream, und der Markt wächst um etwa zehn Prozent pro Jahr.

Wie hoch ist denn der Bio-Anteil der Nahrungsmittelindustrie heute?

Noch ist er mit etwa vier bis fünf Prozent in Deutschland, Frankreich oder den USA relativ bescheiden. Aber das dürfte sich in den nächsten Jahren ändern. Die Großen der Branche folgen dem Trend oder werden es tun, um sich die Wachstumschancen zu erschließen. Parallel stellen sich die großen Supermarktketten ebenfalls dem Thema Bio, das erleichtert den Markteintritt. Beispielsweise hat ein großer Lebensmittelhändler aus Frankreich jüngst angekündigt, sein Bio-Angebot bis 2022 auf ein Umsatzvolumen von fünf Mrd. Euro fast verfünffachen zu wollen. Wenn das Schule macht und gelingt, würde „Bio“ sein bisheriges Nischendasein ablegen.

Es gibt auch einen zunehmenden Anteil von Konsumenten, die sich bewusst fleischlos ernähren oder die zudem noch auf alle Produkte verzichten, die auf Tierhaltung oder dem Ausnutzen tierischer Quellen beruhen. Gehören die vegetarische oder die vegane Ernährung auch zu den wachsenden Nischen?

Aus meiner Sicht ja. Das zeigt sich zum Beispiel an den gestiegenen Firmen- bzw. Markenübernahmen durch die großen Konzerne. Eine der größten war die Übernahme des Sojamilch-Produzente WhiteWave für 12,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016. Schließlich greifen nicht nur Veganer auf pflanzliche Getränke wie Sojamilch zurück. Und pflanzenbasierte Protein-Shakes werden oft auch schnell von den Kunden akzeptiert. Dafür sorgt zusätzlich der anhaltende Fitness- und Abnehm-Boom. Dagegen bleiben die Erfolgschancen veganer Hamburger unklar – auch wenn sich hier bereits namhafte Investoren wie Bill Gates, der Staatsfonds von Singapur oder Google Ventures engagiert haben.

Setzen die Großen eher auf Übernahmen als auf eigene Entwicklungen?

Die großen Konzerne sind sicherlich weniger experimentierfreudig. Rund 75 Prozent aller Neueinführungen im Lebensmittelmarkt scheitern nach einem Jahr. Die Misserfolgsquote ist also recht hoch. Daher überrascht es nicht, dass viele Nahrungsmittelkonzerne ihr Produktportfolio lieber durch die Akquisition bereits etablierter Marken ausweiten.

Von wie vielen Starts neuer Produkte reden wir hier?

Von 2012 bis 2017 haben sich die Einführungen neuer Produkte um rund 60 Prozent auf 240.000 jährlich erhöht. Das hat das Marktforschungsunternehmen Mintel herausgefunden. Über ein Viertel davon entfällt auf „Frei von“-Produkte. Dies ist ein weiterer starker Trend in der Branche.

Sie meinen „glutenfrei“ …

… oder „laktosefrei“, „zuckerfrei“, ganz genau. Die zunehmende Verbreitung spezifischer Allergien oder der „Volkskrankheit“ Diabetes hat in den letzten Jahren diese neue Produktkategorie geschaffen. Die „Frei von“-Produkte bieten Menschen mit einer diagnostizierten Unverträglichkeit einen echten Mehrwert. Viele Milchersatzprodukte wurden aber auch in und für den asiatischen Markt entwickelt, um der dort weit verbreiteten Laktoseunverträglichkeit zu begegnen. Auch deswegen sind gesäuerte Milchprodukte oder die sogenannte A2-Milch mit ihrer unterschiedlichen Kasein-Struktur in China immer stärker gefragt. Und übrigens: Die Kennzeichnung „glutenfrei“ hat auch schon so manchem Produkt unerwartete Absatzerfolge beschert, zum Beispiel Tito’s Vodka aus Texas. Dazu ist zu sagen, dass „glutenfrei“ hier schon stimmt, doch gilt das grundsätzlich für alle Destillate, es sei denn, es wird nachträglich eine glutenhaltige Zutat hinzugefügt, was ausgewiesen werden muss. Insofern war die Bezeichnung eigentlich unsinnig – aber ziemlich verkaufsfördernd.

Bio-Produkte, fleischlose Ernährung, Fitness- und „Frei von“-Boom – Sehen die Verbraucher beim Einkauf heute genauer hin als früher?

In der Tat, und das wirkt sich auch auf den Markt der Zusatzstoffe aus, ohne die auch moderne Lebensmittel kaum auskommen. Man verzichtet aber immer mehr auf künstliche Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker oder auf synthetisch erzeugte Aromen, Süß- und Farbstoffe. Die Zutatenliste ändert sich, und die Hersteller erweitern ihr Angebot um natürliche, besser verträgliche Zusatzstoffe. Das gilt selbst für die USA, wo es bislang nur geringe Anforderungen an die Kennzeichnung von Lebensmitteln gibt. Die Nachfrage nach natürlichen Lebensmittelfarben steigt auch dort, obwohl sie deutlich teurer sind. Die angekündigten milliardenschweren Übernahmen von Naturex und Frutarom, zweier Gesellschaften mit ausgewiesener Expertise auf dem Gebiet natürlicher Zusatzstoffe, dürften daher nur der Anfang gewesen sein. Weitere Akquisitionen sind vermutlich nur eine Frage der Zeit und können Investoren entsprechende Partizipationschancen bieten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zum Fondsprofil: DJE – Agrar & Ernährung

 

Risiken:

  • Länder- und Bonitätsrisiken der Emittenten
  • Erhöhte Kursschwankungen durch Fokussierung des Risikos auf spezifische Branchen
  • Aktienkurse können marktbedingt relativ stark schwanken
  • Preisrisiken bei Anleihen, insbesondere bei steigenden Zinsen am Kapitalmarkt

 

Hinweis: Alle veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Langfristige Erfahrungen und Auszeichnungen garantieren keinen Anlageerfolg. Wertpapiere unterliegen marktbedingten Kursschwankungen, die möglicherweise nicht durch das aktive Management des Vermögensverwalters oder des Anlageberaters ausgeglichen werden können. Diese Information kann ein Beratungsgespräch nicht ersetzen. Alle Angaben sind mit Sorgfalt und nach bestem Wissen entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Trotz aller Sorgfalt können sich die Daten inzwischen verändert haben. Weitere Informationen zu Chancen und Risiken finden Sie auf der Webseite www.dje.de. Der Verkaufsprospekt und weitere Informationen sind in deutscher Sprache kostenlos bei der DJE Investment S.A. oder unter www.dje.de erhältlich. Verwaltungsgesellschaft der Fonds ist die DJE Investment S.A. Vertriebsstelle ist die DJE Kapital AG.