23.04.2020 - Anlagethemen: Versorger

Anlagethemen-Versorger

Von Hagen Ernst, stellvertretender Leiter des Bereichs Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG

Stabil unter Strom

In Boom-Zeiten fällt vielen Investoren zum Thema Versorger oft nur „langweilig“ ein. Doch in Krisenzeiten zählen Versorger zu den Topwerten der Aktienmärkte. Der Sektor, in dem der Trend zur Elektrifizierung anhält, kann trotz Nachfragerückgang mit relativ stabilen Gewinnen glänzen. Ein Anlagethema u.a. für den DJE - Concept.

Angesichts der Ungewissheit, wie stark die weltweite Rezession ausfallen wird, eignen sich Versorger mit ihren relativ stabilen Gewinnen in der aktuell schwierigen Börsenlage sowohl als Aktieninvestment als auch als Anleiheersatz. Grundsätzlich sollte die Branche insgesamt vom Trend zur Elektrifizierung profitieren: Trotz Energieeffizienzmaßnahmen wird die Stromnachfrage wegen der zunehmenden Verbreitung von E-Autos, der Umstellung von Heizungen auf umweltfreundliche strombetriebene Wärmepumpen sowie dem Ausbau der Kapazitäten von Datenzentren weltweit stabil bleiben oder sogar leicht steigen. In den nächsten Monaten dürfte die Stromnachfrage allerdings erst einmal sinken, da die Industrie als Stromabnehmer in den Hintergrund tritt.

Regulierte Versorger auch in der Krise mit garantierten Gewinnen
Sollten die Folgen der Corona-Pandemie unterschätzt werden, wären besonders regulierte Versorger interessant. Denn regulierte Versorger bekommen eine fixe Vergütung auf ihr Kapital wie zum Beispiel Strom- oder Gasnetze oder Kraftwerke. Der Vorteil: Gewinne sind somit zu 100 Prozent garantiert. Allerdings können die Gewinne nur über eine Ausweitung der regulierten Kapitalbasis in Form von Wachstumsinvestitionen steigen. Das Gewinnwachstum ist also begrenzt, da Gewinne nur durch Investitionen in den Ausbau oder die Erneuerung von Netzen und Kraftwerken steigen können. Zudem richtet sich die erlaubte Vergütung auf das Kapital nach dem risikolosen Zinssatz. Für eine feste Regulierungsperiode – die in der Regel fünf Jahre beträgt – sind alle Parameter festgesetzt, erst danach wird angepasst. Aufgrund des weltweit niedrigen Zinsumfelds werden die erlaubten Renditen daher meist nach Ablauf der Regulierungsperiode nach unten angepasst.

Hongkong und USA mit attraktiven Investitionsgelegenheiten
Weltweit hat Hongkong (HK) das sicherste Regulierungsumfeld. Zudem weisen HK-Versorgeraktien zum Teil Dividendenrenditen von über vier Prozent aus. Vollständig reguliert ist beispielsweise der dort ansässige Versorger HK Electric. Eine Regulierungsperiode von 15 Jahren (aktuelle Restlaufzeit: 14 Jahre) bedeutet eine hohe Planungssicherheit. Zudem ist HK Electric nur in Hongkong vertreten und besitzt kein Auslandsgeschäft. Der aktuelle Investitionsplan impliziert ein jährliches Gewinnwachstum von drei Prozent.

Regulierte Versorger aus den USA haben generell den Vorteil, dass sie weltweit noch das höchste Wachstum haben. Jahrelang ist nur wenig in die vorhandenen Netze investiert worden, und daher gibt es hier einen hohen Investitionsbedarf. Dafür sind sie vergleichsweise teuer. Zudem ist das Regulierungsumfeld in einzelnen Bundesstaaten unsicher bzw. riskant, beispielsweise in Kalifornien, wo durch die immer wieder auftretenden schweren Waldbrände mit hohen Entschädigungszahlungen gerechnet werden muss. Als sehr sicher gilt das Regulierungsumfeld in Wisconsin. Dort ansässig ist der Versorger WEC.

Europa: Britische Wasserversorger gelten als besonders krisenresistent
Auch bei einer Rezession ist der Wasserverbrauch stabil, während sich die Stromnachfrage abschwächt, da Industriekunden in der Regel weniger nachfragen. Seit dem Lockdown ist beispielsweise die Stromnachfrage in Italien um 43 Prozent, in Spanien und Frankreich um 18 Prozent sowie in Großbritannien um 11 Prozent zurückgegangen. In Deutschland stammen bei E.ON immerhin gut 80 Prozent des operativen Gewinns aus regulierten Strom- und Gasnetzen. Angesichts geplanter Synergie-Effekte von 740 Millionen Euro durch den Zusammenschluss mit Innogy stellt E.ON für den Jahreszeitraum von 2020 bis 2022 ein jährliches EBIT-Wachstum von 7 bis 9 Prozent in Aussicht.

Aktueller Nachfragerückgang nur vorübergehend
Infolge der drohenden Rezession sind die Großhandelspreise für Strom zum Teil kräftig gefallen. In Deutschland ist der Großhandelspreis für Grundlast von 50€/MWh auf 35€/MWh eingebrochen, in Skandinavien von 35€/ MWh auf 20€/MWh. Zwar ist mit einem vorübergehenden Rückgang der Stromnachfrage durch den Produktionsstopp stromintensiver Industrien wie der Automobilbranche oder energie-intensiven Grundstoffindustrien wie Stahl, Chemie und Zement zu rechnen. Jedoch sollte die zunehmende Elektrifizierung langfristig für eine stabile bzw. leicht steigende Nachfrage sorgen. Zudem werden in Deutschland durch den Ausstieg aus Kohle und Nuklearenergie ein Großteil der verlässlichen Kraftwerke geschlossen. Daher dürfte das aktuell niedrige Strompreisniveau nicht nachhaltig sein.

Besonders werthaltig sind Wasserkraftwerke. Die Betriebsrisiken bzw. Ausfallzeiten sind vergleichsweise gering. Die Nutzungsdauer ist quasi unendlich. Zudem sind die Cash-Kosten in der Regel nicht höher als 10€/MWh, so dass auch auf dem aktuell niedrigen Strompreisniveau noch positive Margen erwirtschaftet werden können. Besonders großen Stromanteil aus Wasserkraft haben die drei Anbieter Verbund, Fortum und Uniper. Verbund hat einen Stromanteil aus Wasserkraft von nahezu 100 Prozent und zudem noch ein reguliertes Netzgeschäft. Fortum hat einen Wasserkraftanteil von knapp 50 Prozent, die anderen 50 Prozent stammen aus "CO2-neutralem" Nuklearstrom. Uniper erzeugt mit Wasserkraftwerken in Schweden jährlich 12TWh an Strom. Alle drei Stromerzeuger sind aufgrund der gesunkenen Strompreise stark gefallen: Fortum seit Jahresanfang um -40%, Verbund -27% und Uniper -22%.

Erneuerbare Energien weisen weltweit den Weg
Wenngleich der Ausbau der erneuerbaren Energien infolge der weltweit gestiegenen Staatsverschuldung etwas ins Stocken geraten könnte, wird dieser Anteil am Strommix in Zukunft weiter steigen. Selbst in China findet ein Umdenken statt. Angesichts der schlechten Luftqualität will auch China unabhängiger vom Kohlestrom werden, dessen Anteil bis jetzt noch mehr als 50 Prozent beträgt. Entsprechend forciert China den Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Markt ist jedoch heimischen Anbietern wie Goldwind vorbehalten. Goldwind ist der führende Anbieter von Windkraftanlagen in China, der zudem auch Windparks selbst betreibt. Neben China sind jedoch auch die USA ein Wachstumsmarkt. Im vergangenen Jahr fanden hier einige größere Auktionen statt, von denen unter anderem auch Orsted, der führende Betreiber von Offshore-Windanlagen aus Dänemark, einige gewinnen konnte. Interessant sind auch die Märkte in Südostasien. So gewann Orsted auch hier lukrative Projekte in Taiwan. Auch in Südkorea und Japan stehen größere Auktionen an. In Europa hingegen ist der Ausbau der erneuerbaren Energien vergleichsweise weit fortgeschritten. Ausschreibungen für neue Windparks konzentrieren sich aktuell auf Offshore-Windprojekte in der Nord- und Ostsee. In Deutschland bremsen aktuell die Abstandsregelungen zu Häusern das Wachstum bei Onshore-Projekten. Es bleibt abzuwarten, inwiefern hier eine pragmatische Lösung gefunden werden kann. Denn Onshore-Projekte sind deutlich günstiger und werden benötigt, um alte Kohlekraftwerke zu ersetzen.

Windkraftanlagen haben zudem meist langfristige Lieferverträge mit festgeschriebenen Strompreisen und sind damit quasi reguliert. Bei RWE beispielsweise werden 70 Prozent der Windparks mit fester Vergütung betrieben. Allerdings bleibt abzuwarten, inwiefern sich der Ausbau der erneuerbaren Energien aufgrund der Corona-Krise weltweit verlangsamen wird. In den Niederlanden und Deutschland kamen beispielsweise aufgrund gestiegener Strompreise erste Auktionen ganz ohne Subventionen aus. Dies ist nun aber angesichts der stark gefallenen Strompreise nicht mehr der Fall. Die Erzeugungskosten von Windparks sinken zwar angesichts immer größerer Turbinen, so verfügt beispielsweise der führende Anbieter Vestas sogar schon über Turbinen über 5MW. Aber die Produktionskosten liegen immer noch deutlich über 50€/MWh.

Ausbau erneuerbarer Energien bedarf weiter hoher Subventionen
Angesichts der weltweit steigenden Staatsverschuldung könnte das zu einem Problem werden. Zudem konnten Betreiber in der Vergangenheit fertiggestellte Projekte zu hohen Preisen an institutionelle Investoren oder Versicherungen verkaufen, da diese auf der Suche nach Rendite im Niedrigzinsumfeld immer geringere Verzinsungen in Kauf nahmen. In Zukunft wird man jedoch wieder höhere Renditen fordern. In Europa gibt es eine Reihe von Anbietern: Durch den Erwerb von E.ON Renewable zählt die Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraft zum Kerngeschäft. Nach Enel und Iberdrola ist RWE mit einer installierten Kapazität von 8,7 Gigawatt (GW) mittlerweile der drittgrößte Anbieter. Bis zum Jahr 2022 soll die Kapazität auf 13 GW steigen. Der Marktführer im Bereich Windparks auf hoher See, den sogenannten Offhore-Windparks, ist Orsted. Aktuell besitzt der dänische Betreiber mit 6,7 GW die meisten Offhore-Kapazitäten. Bis zum Jahr 2022 soll die Kapazität auf 9,8 GW ausgebaut werden. Zukünftig will das Unternehmen auch stärker bei Windkraftanlagen auf Land (Onshore) wachsen. Bis zum Jahr 2025 will man 5 GW an Onshore-Kapazitäten errichten, primär in den USA.

Fazit: Versorger mit Potenzial
Generell gelten Versorger in schwierigen Marktphasen aufgrund ihrer relativ stabilen Gewinne als sicherer Hafen. Trotz der aktuellen Nachfragerückgänge bietet der Sektor für Investoren interessante Anlagemöglichkeiten – sowohl als Aktieninvestment als auch als Anleiheersatz. Denn mittel- bis langfristig sollte die Branche insgesamt vom Trend zur Elektrifizierung profitieren.

 

Fondsprofil: DJE – Concept

 

 

 

 

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