13.08.2020 - Fonds: DJE - Mittelstand & Innovation

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René Kerkhoff, Fondsmanager des DJE - Mittelstand & Innovation

Strukturelles Wachstum bevorzugt

Der DJE - Mittelstand und Innovation wurde vor fünf Jahren aufgelegt, und René Kerkhoff ist seit 2018 für den Fonds verantwortlich, erst als Co- und seit Anfang 2019 als leitender Fondsmanager. Im Interview spricht er über das strukturelle Potenzial von Growth-Werten, die Digitalisierung des Lebens und über das, was ihn an seinem Job reizt.

Herr Kerkhoff, was reizt Sie an Ihrer Aufgabe?

Meine Neugier: Ich freue mich immer darauf, neue Unternehmen und ihre Geschäftsfelder kennenzulernen, oder auch bekannte Unternehmen mit neuen Ansätzen und Strategien. Im Laufe der Jahre habe ich als Fondsmanager und Analyst viele sehr aufschlussreiche Gespräche mit den Verantwortlichen geführt und immer wieder vielversprechende Argumente für eine Investition gefunden. Das darf gerne so weitergehen.

Bei der Aktienauswahl suchen Sie nach strukturellem, zyklischem und potenziellem Wachstum. Können Sie das bitte näher definieren?

Die Anlagestrategie des Fonds beruht auf diesen drei Säulen: Die Mehrzahl der Titel im Portfolio weist strukturelles Wachstum auf. Diese Unternehmen sind etabliert und sind Marktführer Marktnische. Wenn diese Nische stärker wächst als der Gesamtmarkt, dann profitieren sie davon. Zyklisches Wachstum lassen wir mit einfließen. Wir investieren also auch in Unternehmen, deren Auftragseingänge ein starkes Momentum aufweisen und die temporär überdurchschnittlich wachsen. Die dritte Säule ist das potenzielle Wachstum, das Unternehmen dank ihrer Innovationskraft aufweisen können. Also durch neue Produkte oder durch Durchdringung neuer Länder und Möglichkeiten.

Dadurch ist Ihr Investmentansatz sehr wachstumsorientiert. Ist er damit auch stark konjunkturabhängig bzw. zyklisch?

Nein, Wachstumsorientierung und Konjunkturabhängigkeit sind zwei Paar Stiefel. Zyklische Sektoren wie zum Beispiel Öl, Chemie, Banken oder Automotive laufen gut, wenn sich die Konjunktur erholt oder die Wirtschaft boomt. Hier sind wir aber größtenteils untergewichtet. Der Fokus des Fonds liegt stattdessen auf den Sektoren Technologie, Gesundheitswesen und E-Commerce. Diese Branchen haben einen eher nicht-zyklischen Charakter. Beim Gesundheitswesen überrascht das nicht, bei Technologie und E-Commerce vielleicht schon. Aber diese sind heutzutage wie „Versorger“ und bieten Dienstleistungen wie Cloud, Software, Videokonferenzen oder Streaming, die viele Unternehmen und Verbraucher nicht mehr missen wollen. Daraus sind gefestigte Kundenbeziehungen erwachsen. Das Wachstum dieser Firmen ist also strukturbedingt und für uns daher langfristig interessant. Im Gegensatz dazu ist der Absatz in manchen zyklischen Branchen um bis zu 60% eingebrochen.

Wann würde es eher schwierig werden für Ihren Fonds?

In den vergangenen 20 Jahren profitierten vor allem die Wachstumswerte. Es kommt jedoch immer wieder mal zu Sektorrotationen, also zu Phasen, in denen die Zykliker und Value-Werte aus der sogenannten Old Economy die Nase vorn haben. Dann läuft es in der Regel nicht so gut. Natürlich ist es in solchen Phasen auch möglich, zyklische Werte stärker zu gewichten. Langfristig bin ich aber davon überzeugt, dass die New Economy die Old Economy übertreffen wird.

Sie konzentrieren sich auf den deutschsprachigen Raum. Warum? Gibt es anderswo keine attraktiven mittelständischen Unternehmen mit Potenzial?

Innerhalb Europas ist die D-A-CH-Region mit rund 1.500 Firmen das Epizentrum für mittelständische, oft auch noch inhabergeführte Unternehmen, den sogenannten „Hidden Champions“ mit einer führenden Position einer Marktnische. Wir, das heißt DJE, sind selbst ein Mittelständler und kennen die Bedürfnisse dieser Unternehmen gut: hohe Rechtssicherheit, stabile Konjunktur, weitverbreitete gute Bildungseinrichtungen und ein großer Pool an möglichen Arbeitnehmern und Konsumenten … das bietet einen hervorragenden Nährboden für den Mittelstand. Aber zurück zu Ihrer Frage: Wir finden auch anderswo attraktive Gelegenheiten, zum Beispiel in Skandinavien, in den Niederlanden oder in Luxemburg, die wir beimischen.

Ist es für Sie ein Qualitätsmerkmal, dass eine Firma familiengeführt ist? Eigentlich sind doch die Zahlen entscheidend.

Die Struktur und die Denkweise unterscheiden sich. Inhaber halten oft einen nennenswerten Anteil an ihren Unternehmen, und es interessiert sie daher stärker, was die Aktie macht. Ein angestelltes Management geht anders mit einer Firma und den Angestellten um als Inhaber. Die einen denken in den Quartalen einer regulatorisch vorgeschriebenen Bilanzsaison, die anderen in Dekaden. Das wirkt sich auf die Strategie und die Innovationskraft der Unternehmen aus. Es ist kein Zufall, dass inhabergeführte Unternehmen mehr ausbilden, ihre Mitarbeiter länger halten und ihre Forschung & Entwicklung intensiver betreiben. Ihre Innovationskraft ist höher und ihr Wachstumspotenzial letztlich auch.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte (ESG) spielen für alle DJE-Fonds auch eine Rolle. Wie sieht das bei Ihrem Fonds aus?

Wir arbeiten mit MSCI ESG Research zusammen, um zu gewährleisten, dass die Unternehmen, in die wir investieren, nach ESG-Gesichtspunkten in Ordnung sind. Allerdings gibt es für viele kleine und mittelgroße Unternehmen kein ESG-Rating. Daher spreche ich das Thema regelmäßig bei den Treffen mit den Verantwortlichen an, denn die Umweltaspekte sind mir auch persönlich wichtig.

Was tun Sie, um hohe Drawdowns zu vermeiden? Wie haben Sie z.B. auf Corona reagiert

Als sich Corona in Europa ausbreitete, aber noch nicht auf dem Höhepunkt war, haben wir die Cashquote des Fonds erhöht und das Aktienrisiko durch Derivate reduziert. In Summe waren wir im März nur zu rund 70% investiert. Außerdem haben wir zyklische Unternehmen reduziert und solche mit aus unserer Sicht sehr soliden Geschäftsmodellen bevorzugt, darunter Versorger wie Solarparks, Immobiliengesellschaften und die bereits erwähnten Branchen Technologie, Gesundheitswesen und E-Commerce. Dadurch haben wir die Volatilität gesenkt.

Und wie sieht es jetzt aus? Worauf kommt es bei der Aktienauswahl jetzt an?

Die Corona-Pandemie hat Stärken und Schwächen, die auch vorher schon vorhanden waren, offenbar gemacht und verstärkt. Werte, die während Corona stark waren, werden zurzeit noch stärker. Corona hat auch einen Digitalisierungsschub ohnegleichen ausgelöst. Wie in einem Zeitraffer haben wir innerhalb von zwei bis drei Monaten Digitalisierungsinvestitionen und -offensiven gesehen, die unter normalen Umständen zwei bis drei Jahre gedauert hätten. Dieser Trend wird anhalten und spielt den Technologie- und E-Commerce-Werten in die Karten, ein Ende ist derzeit noch nicht abzusehen. Von daher sind die Bewertungen dieser Titel aus meiner Sicht zwar hoch, aber nicht übertrieben. Auch das Gesundheitswesen profitiert von der Pandemie. Diese drei Sektoren bleiben daher im Fokus des Fonds.

Was erwarten Sie für den weiteren Verlauf des Jahres?

Ich investiere langfristig und halte es für wichtig, an einem bewährten Investitionsstil festzuhalten, Corona-Wellen hin oder Impfstoff-Entwicklung her. Das ist für mich nicht kalkulierbar. Wohl aber das mögliche Wachstumspotenzial eines Unternehmens. Sollten die Märkte noch einmal zurückgehen, würde ich dies als Kaufgelegenheit für gute inhabergeführte Unternehmen sehen.

Folgen Sie als Fondsmanager ausschließlich den Ergebnissen Ihrer Analysen oder auch (mal) Ihrem Instinkt?

Ja, ich höre manchmal auch auf meinen Instinkt. Aber dafür muss man sehr nah am Marktgeschehen sein und auch die Unternehmen kennen. Daraus können sich durchaus Impulse entwickeln. Allerdings treffe ich keine Bauchentscheidung, wenn ich ein Unternehmen nicht gut genug kenne.

 

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