06.02.2020 - Märkte: DJE-Marktausblick Februar

Maerkte-DJE-Marktausblick-Februar

Eine gesunde Mischung ist gefragt

Das Corona-Virus sehen wir als Auslöser einer Marktkorrektur, aber nicht mehr. Die Konjunktur läuft weiter rund, und wir setzen auf eine Mischung aus Wachstums- und Value-Werten auf der Aktienseite sowie auf hochwertige Unternehmensanleihen auf der Rentenseite.

Erfahren Sie mehr im Video-Interview mit Florian Bohnet, Leiter Research bei DJE, und dem Wallstreet - Experten Markus Koch über das, was die Anleger in den nächsten Wochen erwartet.

Wir bleiben trotz Corona-Virus bei unserer konstruktiven Marktmeinung und gehen von vier Kernüberzeugungen aus:

  1. Die Konjunktur ist weiter okay. Wir werden unsere hohen Investitionsquoten beibehalten.
  2. Aktien sind für uns attraktiv. Wir favorisieren Aktien gegenüber Anleihen.
  3. Anleihen sind für uns unattraktiv. Wir kaufen Unternehmensanleihen guter Qualität mit kurzen bis mittleren Laufzeiten.
  4. In einem ausbalancierten Portfolio braucht man weiterhin US-Wachstumswerte und mit Blick auf das zweite Quartal bzw. das zweite Halbjahr auch europäische Value-Titel1. Keine einseitige Aktienselektion, sondern eine gesunde Mischung aus Growth-2 und Value-Titeln.

Die Konjunktur ist weiter okay

Über das Corona-Virus ist noch nicht viel bekannt. Die Neuartigkeit des Virus, seine schnelle Verbreitung und die bisher noch nicht erfolgreichen Versuche, einen Impfstoff zu entwickeln verunsicherten die Märkte.

Die Maßnahmen der Regierungen und Unternehmen sind recht drastisch. Die Verantwortlichen handeln verständlicherweise aufgrund der hohen Unsicherheit nach dem Motto: „better safe than sorry“ – Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Im ersten Quartal wird das ohne Zweifel starke Bremsspuren im Wachstum hinterlassen, vor allem in China. Die Frühindikatoren hatten sich zuletzt stabilisieren können, und das sollten sie unserer Ansicht nach – trotz Corona-Virus – weiterhin tun. Wir sehen ein entschlossenes Handeln der chinesischen Regierung mit monetären Lockerungsmaßnahmen und halten auch zusätzliche weitere fiskalische Anreize für wahrscheinlich. Insofern dürfte im Jahresverlauf die Wachstumsdelle ausgebügelt werden.

Die USA ist bislang kaum von dem Virus betroffen. Die US-Konjunktur läuft dank der Konsumenten sehr gut. Die Bauwirtschaft ist hier besonders zu erwähnen, der es dank der Halbierung der langfristigen Zinsen und der gefallenen Hypothekenzinsen sehr gut geht. Die jüngsten Daten vom ISM-Einkaufsmanagerindex waren erstaunlich positiv. Auch die Auftragskomponente war stark und mit 52 Punkten wieder im Expansionsbereich (Werte unter 50 Punkten deuten auf eine schrumpfende Wirtschaft).

Solange das Corona-Virus sich nicht international ausbreitet und/oder der Stillstand in China sich länger als bis zum 10. Februar hinzieht, sollten die temporären Konjunkturbeeinträchtigungen aufzuholen sein. Klar ist aber auch, dass Deutschland und Europa nach Asien am meisten exponiert sind.

Es ist auch zu erwarten, dass die Ausblicke in der kommenden Berichtssaison sehr vorsichtig formuliert werden. Das ist eine willkommene Gelegenheit, die Messlatte tieferzulegen. Für uns bietet das aber die Chance, dass die Unternehmen in den kommenden Quartalen positiv überraschen könnten. Daher behalten wir unsere hohen Investitionsquoten bei.

Aktien sind für uns attraktiv

Aktien sind auf Sicht von zehn Jahren die aussichtsreichste liquide Anlageklasse. Die Dividendenrenditen sind weit höher als die Anleihenrenditen. Kurzfristig hat die angespannte Markttechnik belastet, denn der Optimismus war sehr hoch und die Märkte sind weit vorausgelaufen

Das Corona-Virus war sozusagen ein Auslöser für eine Marktkorrektur. Inzwischen hat sich die Situation etwas beruhigt, die Volatilität ist angestiegen, aber wir haben noch keine eindeutigen, antizyklischen Kaufsignale, abgesehen von vereinzelten Indikatoren – wie z.B. der deutschen Finanztreff-Umfrage.

Vergleicht man die Gewinnrendite von Aktien mit den Renditen von Anleihen oder Immobilien, dann ist das Ergebnis eindeutig: Aktien sind nicht zu teuer und in Relation zu Anleihen sogar günstig bewertet. Rückgänge sind Kaufgelegenheiten. Wir bevorzugen Aktien vor Anleihen.

Anleihen finden wir unattraktiv

Anleihen waren in den vergangenen Tagen ein sicherer Hafen für Investoren. Entsprechend sind deren Renditen wieder gefallen. Wir glauben aber nicht, dass die 10-jährigen US-Staatsanleihen unter 1,5% fallen werden.

Sobald sich die Meldungen zum Corona-Virus entspannen und sich eine konjunkturelle Erholung abzeichnet (siehe Punkt 1), dürften die Renditen wieder steigen.

Zwar beginnt der Markt bereits, erneute Zinssenkungen einzupreisen, aber wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed (Federal Reserve System) sich nicht genötigt sieht, an der Zinsschraube zu drehen. Vor allem in einem Wahljahr wie 2020 wird sie sich zurückhaltend verhalten. Konjunkturell gibt es wenig Anlass zur Sorge für die Fed. Der fallende Ölpreis dürfte zwar für weiter sinkende Inflationsraten sorgen und den Notenbanken genügend Spielraum geben, allerdings wirkt ein schwacher Ölpreis (u.a. wegen des sehr hohen Angebots) wie ein Konjunkturprogramm, was Anleihenkurse wiederum tendenziell belastet.

Aus diesem Grund bevorzugen wir auf der Anleihenseite Unternehmensanleihen guter Qualität mit kurzer bis mittlerer Duration.

Ausbalanciertes Aktienportfolio

In einem ausbalancierten Portfolio braucht man weiterhin US-Wachstumswerte und mit Blick auf das zweite Quartal auch europäische Value-Titel.

Die Marktkapitalisierung einzelner US-Technologiewerte entspricht inzwischen der Marktkapitalisierung des gesamten DAX. Die positive US-Indexentwicklung geht zum großen Teil auf Technologiewerte zurück, die inzwischen für etwa 30% des Gesamtmarktes stehen. In einem Umfeld geringen volkswirtschaftlichen Wachstums sind besondere wachstumsstarke Werte gefragt.

Für die teilweise monopolartigen Geschäftsmodelle gilt oft: „the winner takes it all“ – der Gewinner bekommt alles. Die Bewertung ist hoch, allerdings ist die Bewertung bei stabilen Qualitätsaktien nicht viel niedriger, jedoch bei deutlich geringerem Wachstum.

Der Nachteil wachstumsstarker Aktien ist leider die geringe Dividende, wenn es überhaupt eine gibt. Wir stellen noch keine ausgeprägte Blase bei diesen Werten fest und sehen mehr Chancen als Risiken, denn die Geschäftsmodelle sind ohne Zweifel attraktiv.

Value-Aktien fristen seit Jahren ein Schattendasein. Die Bewertung gegenüber den beliebteren Growth-Aktien ist inzwischen enorm gestiegen. Diese Bewertungsdifferenz wird sich erst dann auflösen, wenn die Konjunktur besser läuft und die Zinsen steigen. Beides ist kurzfristig wegen der o.g. Belastungsfaktoren nicht zu sehen.

Mit Blick auf das zweite Quartal dürfte sich die Konjunktur allerdings deutlich verbessern, wenn die aktuellen Hemmnisse verschwunden sind. Wir setzen daher nicht auf eine einseitige Aktienselektion, sondern auf eine gesunde Mischung aus Growth- und Value-Titeln.

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1 Value-Strategie: Hinter der Value-Strategie (engl. Value = Wert) steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren eigentlicher Wert gegenwärtig von Marktteilnehmern noch nicht erkannt wird (unterbewertete Unternehmen oder Value-Titel)

2 Growth-Strategie: Die Growth-Strategie (engl. Growth = Wachstum) konzentriert sich weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen (Wachstumswerte oder Growth-Titel).

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