06.09.2019 - Märkte: Die Börse ist erstaunlich robust

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Die Börse ist erstaunlich robust

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methodenach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Vom Analystenteam der DJE Kapital AG

Erfahren Sie mehr im Video-Interview mit Florian Bohnet, Leiter Research bei DJE, und dem Wallstreet - Experten Markus Koch über das, was die Anleger in den nächsten Wochen erwartet.

Hier unsere FMM-Marktprognose – auch als PDF-Download:

Kaum verändert neutral – das ist kurz gesagt unsere Einschätzung für den September. Wir sind weiterhin neutral, aber etwas zurückhaltender als im August. Die gegenwärtigen Probleme wie Handelskonflikt, Hongkong und Brexit drücken auf die Stimmung an den Märkten und sorgen für konjunkturelle Bremsspuren.

Im August waren wir neutral bis leicht positiveingestellt, was angebracht war, denn die Märkte haben sich im August nur minimal aufwärtsbewegt. Es hat sich als richtig erwiesen, zyklische, das heißt konjunktursensible Sektoren und unterbewertete Unternehmen, sogenannte Value-Titel, weiterhin zu meiden. Und wie erwartet haben sich Deutschland und Japan erneut als schwierige Märkte entpuppt.

Für den September ändert sich unsere Einschätzung nur minimal, wir sind aber etwas zurückhaltender. Im Grunde bleiben wir ziemlich neutral, denn es gibt zahlreiche Faktoren, die sich gegenseitig ausgleichen. Unterm Strich schwächen sich sowohl die Wirtschaftsaktivität als auch die Konjunktur weiterhin ab. Die monetäre Lage ist mau – dem Markt steht als nur begrenzt Liquidität für Investitionen zur Verfügung. Und zu guter Letzt ergibt die markttechnische Analyse weniger klare Signale als im August.

Guten Nachrichten könnten ein maßgeblicher Faktor für eine Verbesserung an den internationalen Börsen sein, dazu zählen aus unserer Sicht Signale, die auf eine Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China deuten oder auf ein Ende der Unruhen in Hongkong. Das erscheint uns inzwischen wahrscheinlicher als eine weitere Verschlechterung. Dennoch bleiben wir vorsichtshalber defensiv positioniert und nehmen positive Nachrichten nicht vorzeitig vorweg. Sollte sich die Lage ändern, werden wir zügig reagieren.

Insgesamt kann man sagen, dass sich die Börse angesichts der schwachen Konjunktur noch relativ robust zeigt. Ein Grund hierfür dürfte der Mandel an Anlagealternativen sein. Für diesen Zustand hat sich das Akronym TINA („there is no alternative“ = es gibt keine Alternative) etabliert.

Fundamental – die Grundlage

  • Weder in China noch in den USA zeichnet sich ein Konjunkturaufschwung ab.
  • In China – und inzwischen auch in den USA – liegt der Einkaufsmanagerindex unter der Marke von 50 Punkten, was auf eine schrumpfende Wirtschaft hindeutet.
  • Auch die OECD-Frühindikatoren1 drehen für die meisten Länder – mit Ausnahme von China – nach unten.
  • Weitere Abschwung-Signale:
    • In den USA ist die Zahl der gearbeiteten Stunden zuletzt gesunken.
    • Der US-Immobilienmarkt springt trotz sinkender Zinsen nicht an.
    • Die Autoabsatzzahlen gehen weltweit zurück, auch in den USA.
  • Der wirtschaftliche und politische Druck auf US-Präsident Donald Trump steigt, sich im Handelsstreit mit China zu einigen. Denn die US-Konjunktur verliert an Fahrt, die Präsidentschaftswahl 2020 rückt näher, und in den traditionell zwischen Republikanern und Demokraten unentschiedenen Staaten, den sogenannten „swing states“2, verliert Trump Umfragen zufolge massiv an Rückhalt. Dort findet er aktuell nur bei 42–44% der Befragten Zuspruch.3 Ein versöhnlicher und konstruktiver Ton bei den amerikanisch-chinesischen Handelsgesprächen wäre vermutlich innenpolitisch für Trump hilfreich und könnte das Vertrauen in die weltweiten Wachstumsaussichten wiederherstellen.
  • Die nächste Bilanzbericht-Saison wird vermutlich durchwachsen sein: Die Gewinne der Unternehmen dürften deutlich niedriger ausfallen.
  • Wir gehen von einem ungeregelten Brexit aus, allerdings glauben wir nicht an den Weltuntergang. Die Effekte auf die Weltwirtschaft dürften sich im Rahmen halten. Einige Sektoren, darunter die deutsche Automobilindustrie, werden zwar leiden, aber insgesamt ist die wirtschaftliche Bedeutung Großbritanniens begrenzt. Unternehmen und Anleger hatten außerdem fast drei Jahre lang Zeit, sich auf diese Situation einzustellen. Daher gehen wir davon aus, dass sich die meisten negativen Effekte bereits in den Aktienkursen widerspiegeln. Wir sind kaum in Großbritannien investiert. Jetzt erst zu reagieren wäre sehr spät. Das britische Pfund sehen wir weiterhin tendenziell schwach.
  • Ein schwacher chinesischer Yuan ist da schon ein anderes Kaliber. Gegenüber dem US-Dollar gab der Yuan um rund vier Prozent nach – der höchste Monatsverlust seit 25 Jahren. Die Chinesen wollen sicherlich keinen unkontrollierten Absturz ihrer Währung, denn in der Schwäche einer Währung zeigen sich immer auch die Probleme eines Landes. Importe, seien es Rohstoffe, Energie, Waren aus Europa – alles wird teurer. Kredite, die chinesische Unternehmen in US-Dollar aufgenommen haben, sind nun schwerer zu bedienen. Wir sehen in diesem Zusammenhang sogar eine kleine Wahrscheinlichkeit (nur 5–10%), dass die Koppelung des Hongkong-Dollars an den US-Dollar in Gefahr ist, wenn sich die Lage in Hongkong weiter zuspitzen sollte. In diesem Fall wären chinesische Inlandsaktien belastet. Eine Währungssicherung des Hongkong-Dollars gegen den US-Dollar ist eine Überlegung wert.

 

Monetär – die Geldfrage

  • Es sind rekordverdächtig viele Aktienrückkäufe angekündigt, allerdings hapert es an der Umsetzung. Das steht im Einklang mit einer häufigen Forderung der Fondsmanager an die Unternehmen, doch lieber ihre Bilanzen zu verbessern als Aktien zurückzukaufen.
  • Die US-Notenbank wird den Leitzins in den nächsten Sitzungen vermutlich in kleinen Schritten von 25 Basispunkten weiter senken. Die sich abschwächende Konjunktur ist ein gutes Argument dafür.
  • In der Vergangenheit waren Zinssenkungen kein Garant für eine bessere Börse. Im Gegenteil: Bei den letzten beiden Malen (2001–2003 und 2008–2009) gingen sinkende Leitzinsen aufgrund von Konjunktureintrübungen mit fallenden Kursen einher. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Notenbanken mit ihren Maßnahmen der Situation hinterherlaufen, anstatt ihr aktiv zu begegnen. Mit einem Einkaufsmanagerindex von unter 50 Punkten in den USA sieht es so aus, als hätte die US-Notenbank den Einsatz verpasst und könnte nur noch reagieren.
  • Weltweit beschäftigen sich fast alle Notenbanken mit Zinssenkungen – abgesehen von ein paar Sonderfällen wie Argentinien oder der Türkei.
  • Die Diskussion zur inversen Zinsstrukturkurve, d.h. einer Konstellation, in der die Renditen kurzfristiger Anleihen über denen langfristiger Papiere liegen, begleitet uns schon fast zwei Jahre. Käme es zu einer Rezession, wäre sie die am längsten vorher angekündigte überhaupt. Doch wie zuverlässig ist die Zinsstrukturkurve als Indikator? In Anbetracht des seit Jahren generell niedrigen Zinsniveaus und angesichts der ständigen Notenbank-Interventionen ist die Aussagekraft aus unserer Sicht begrenzt. Fest steht, dass der negative Einfluss auf die Kreditvergabe der Banken die Wirtschaft belasten wird.
  • Eine flache Rezession ist durchaus möglich.Unsere Hoffnung wäre allerdings, dass sie nicht so schlimm ausfällt, weil das Zinsniveau so niedrig ist. Solange die hochverschuldeten US-Unternehmen sich weiter refinanzieren können, dürften die Effekte im Rahmen bleiben. Wenn allerdings die Risikoaufschläge der Unternehmensanleihen gegenüber den US-Staatsanleihen größer werden und eventuell extrem zu steigen beginnen, dann würde es gefährlich werden. Wir werden das beobachten.
  • Die Lage am Rentenmarkt ist ohne Beispiel.Inzwischen rentieren rund zwei Drittel der Staatsanleihen und 50 Prozent der hochwertigen Unternehmensanleihen in Europa negativ.
  • Wir halten es mittlerweile nicht mehr für ausgeschlossen, dass die EZB ankündigt, Aktien zu kaufen, um den Markt zu stützen. Ein positiver Treiber wäre es.

 

Markttechnisch – die Stimmungslage

  • Der negative Saisonrhythmus hält noch an. Der September könnte vorerst noch belastet bleiben.
  • Der Bull-&-Bear-Indikator der Bank of America Merrill Lynch (BofAML) liegt derzeit unter drei Punkten und ist damit eines der wenigen Anleger-Stimmungsbarometer, das eindeutig auf „Kaufen“ steht.
  • Die Anzahl an Leerverkäufen in Asien ist recht hoch, das heißt, die Investoren rechnen mit fallenden Kursen.
  • Die Stimmungsindikatoren sind in den USA besser als in Europa, aber insgesamt nicht überzeugend.
  • Das Momentum4 ist in den USA besser als in Europa. Hier deutet dieser Indikator auf einen abwärts gerichteten Markt hin.

 

1 OECD-Frühindikatoren: Gesamtwirtschaftlicher Leitindex, Geschäftsklimaindex und Konsumklimaindex.

2 Zu den Wechsel-Staaten (swing states) der USA zählen Colorado, Florida, Iowa, Michigan, Minnesota, Ohio, Nevada, New Hampshire, North Carolina, Pennsylvania, Virginia und Wisconsin

3 August-Umfragen von Civiqs, Real Clear Politics, New York Magazine.

4 Das Momentum gibt Aufschluss über die Kraft und Geschwindigkeit von Kursbewegungen sowie Trendwenden.

 

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