10.01.2019 - Märkte: Die USA und andere Aktienmärkte

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Aufholpotenzial

2018 lagen US-Aktien vor allen anderen. Aus Sicht von Dr. Jens Ehrhardt dürften hochwertige Aktien auch im Jahr 2019 bessere Zuwachsraten bringen als festverzinsliche Papiere. Und deutsche sowie vor allem chinesische Aktien haben gegenüber US-Werten wahrscheinlich Aufholpotenzial.

Von Dr. Jens Ehrhardt

Wir besuchen insgesamt im Jahr rund 900 Unternehmen und davon auch eine Vielzahl in Europa, Asien und in den USA. Und wir sind weiterhin der Meinung, dass zurzeit deutsche Aktien im internationalen Vergleich stark unterbewertet sind. Deutsche Aktien werden z.B. mit dem 12-fachen Gewinn gehandelt, amerikanische mit dem 17-fachen Gewinn.

Eine zeitweise wesentlich bessere Entwicklung der Wall Street wie zuletzt hat es immer wieder gegeben, allerdings auch über Jahre eine bessere Entwicklung der deutschen Börse. Das gute Abschneiden der US-Börse in diesem Jahr beruht im Wesentlichen auf den hoch bewerteten Technologieaktien.

Die gute Entwicklung des MSCI World Index in Euro im Jahr 2018 beruht einerseits auf einem rund 6%igen Anstieg des US-Dollars, andererseits auf dem über 50%igen Anteil von US-Aktien im Weltindex. Der Weltindex ohne USA verlor ebenfalls in diesem Jahr deutlich. Der Weltindex wurde nicht nur durch Dollar und US-Aktien, sondern bei den US-Aktien fast ausschließlich durch die sehr hoch bewerteten Technologietitel nach oben getragen.

50 % des Indexanstieges im Jahr 2018 wurden bis in den Herbst von nur drei Aktien getragen. Die Mehrheit der US-Aktien schnitt wie alle Weltbörsen ebenfalls schlecht ab. Von den S&P 500-Aktien waren bis Ende 2018 rund 45% mehr als 20% gefallen. Man konnte also 2018 nur dann eine positive Entwicklung erzielen, wenn man ganz schwerpunktmäßig auf den US-Dollar und andererseits schwerpunktmäßig auf die US-Technologieaktien gesetzt hätte.

Eine zu hohe Allokierung von Anlegermitteln in diesen beiden Bereichen erscheint mir aber weiterhin analytisch nicht ratsam. Ich könnte mir vorstellen, dass der US-Dollar, der fundamental stark überbewertet erscheint, im Jahr 2019 deutlich fallen wird. Genauso könnte ich mir vorstellen, dass der US-Aktienmarkt schlechter abschneidet wegen seiner hohen Bewertung.

Die Wall Street wurde durch eine erhebliche Steuersenkung, verbunden mit einem starken Anstieg der Neuverschuldung, nach oben getrieben. Man kritisiert in Europa z.B. Italien, das sich jetzt auf 1,9% Neuverschuldung festgelegt hat, während die USA auf 5% Neuverschuldung zusteuern. Trump kurbelt also in erheblichem Ausmaß die Wirtschaft durch ungesunde Neuverschuldung an, was im Allgemeinen in der Vergangenheit den Dollar stärker gedrückt hat.

2018 war ein wesentlich schlechteres Börsenjahr, als dies aus den Indizes hervorgeht. Die Indizes sind im Allgemeinen gekennzeichnet durch wenige, hoch gewichtete große Aktien, die heute meist auch gefährlich hoch bewertet sind. Demgegenüber fiel die weit überwiegende Masse der Aktien erheblich zurück, was wegen deren geringeren Gewichtung in den Indizes dort nicht so stark zum Ausdruck kommt. Schwellenländer-Aktienindizes fielen z.B. in Hartwährung ausgedrückt um rund 30%.

Die bisherigen Kursrückgänge sind im Wesentlichen verursacht durch den Trump’schen Handelskrieg einerseits und durch die monetäre Bremspolitik der US-amerikanischen Zentralbank. Die weitere Entwicklung in Trumps Handelskrieg ist schwer einzuschätzen.

Die zuletzt sehr schlechte Kursentwicklung im größten Schwellenland China (ebenfalls ca. -30%) geht aber mehr auf die Neuverschuldungs-Begrenzungspolitik der Chinesen zurück (also Gegensatz zur amerikanischen Neuverschuldungspolitik). Die Chinesen haben besonders im sogenannten Schattenbankensystem die Kredite stark zurückgefahren, was das Land volkswirtschaftlich wesentlich weniger anfällig macht. Auch durch die Umstellung von Export auf Konsum ist China wesentlich weniger anfällig geworden.

Ich könnte mir deshalb gerade in den Schwellenländern eine erhebliche Kurserholung vorstellen. Die bisherigen Kursverluste dort sind nicht nur Auswirkungen des Trump’schen Handelskrieges.

China ist im Export nur ein Drittel so abhängig wie Deutschland und die bisherigen Folgen der Trump’schen Zölle haben die Wirtschaft um weniger als 0,3% belastet, bei einem Wachstum von insgesamt noch über 6%. Ich sehe also gute Erholungschancen in China und den Schwellenländern, sobald die psychologische Belastung durch die Trump’schen möglichen Zölle wegfällt. Trump hat bis Anfang März 2019 Verhandlungen angekündigt und keine neuen Zollerhebungen. Dies sollte die Börsen in nächster Zeit begünstigen.

Der zweite Hauptfaktor, die amerikanische Bremspolitik durch höhere Zinsen und weniger Liquidität, ist eher gravierend. Die US-Zentralbank hat allerdings zuletzt angedeutet, dass sie die für das nächste Jahr vorgezeichneten vier Zinserhöhungen keineswegs sicher vornehmen wird und eine Pause in den Zinserhöhungen für möglich erklärt. So hat man z.B. gesagt, dass der angestrebte neutrale Zins der Notenbank inzwischen fast erreicht ist. Ohne weitere Bremspolitik müssten sich die internationalen Aktienmärkte aber deutlich verbessern können. Die Bewertungen besonders außerhalb der USA liegen auf langjährigen Tiefs.

Die Alternativen zu guten Aktien fehlen weiterhin. In Deutschland beträgt die Dividendenrendite z.B. im Durchschnitt 3,5%, während Staatsanleihen auf 10 Jahre Sicht weniger als 0,4% Zins erbringen. Staatsanleihen in den USA bringen auf 10 Jahre Sicht zwar 3% Zins. Andererseits dürfte das Kursrisiko des Dollars wesentlich höher sein, nachdem er nach meiner Meinung im Jahr 2018 ungerechtfertigt bereits 6% gestiegen ist. Alle volkswirtschaftlichen Faktoren, wie Neuverschuldung, Inflationsrate und Außenhandel (die USA haben das größte Defizit weltweit), sprechen gegen den Dollar. Gleiches gilt für die Kaufkraft.

Daher bringt eine Anlage in fundierten Aktien auch 2019 voraussichtlich wesentlich bessere Zuwachsraten als festverzinsliche Papiere, wo wir gerade in Europa erhebliche Kursrisiken sehen.

 

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