09.08.2019 - Märkte: FMM-Strategie

Maerkte-FMM-Strategie

Verluste begrenzen

Der August macht seinem Ruf alle Ehre, ein schwacher Börsenmonat zu sein. Darum besteht die größte Aufgabe darin, zunächst Verluste zu begrenzen. Der Blick nach vorn ist aber zuversichtlich angesichts fundamentaler und monetärer Indikatoren, die überwiegend in Ordnung sind.

Das Analystenteam von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. Einmal im Monat fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Vom Analystenteam der DJE Kapital AG

Vorab ein kurzer Blick in den Rückspiegel: Unsere Aussage im letzten Monat war, dass wir ab September eine bessere Börse erwarten. Wir waren positiv für den Juni und sind dann für den Juli vorsichtiger geworden. Das hat sich als richtig erwiesen. Die US-Notenbank (Fed) hat die Zinsen, wie von uns erwartet, um 25 Basispunkte gesenkt. Die Aussagen der Fed, dass diese erste Zinssenkung kein Schritt zu einer ganzen Serie von Senkungen ist, haben die Märkte allerdings negativ aufgenommen. Die Luft aus der hohen Erwartungshaltung an die Fed (zwei weitere Zinssenkungen im Jahr 2019) scheint gerade zu entweichen.

Der August hat damit, obwohl er noch sehr jung ist, seinem schlechten Ruf, ein saisonal schwacher Monat zu sein, bislang alle Ehre gemacht. Aus unserer Sicht war es weiterhin richtig, auf US-Aktien, Qualität und Wachstum zu setzen und dagegen zyklische Sektoren sowie Deutschland und Japan zu meiden. Insofern hat sich unsere negative Einschätzung zu Autos, Banken, Rohstoffen und Öl & Gas bewahrheitet.

Vorausblickend sind wir nicht so pessimistisch, wie man angesichts der herben Kursverluste in den letzten Tagen vielleicht sein könnte. Wie damals im Mai deuten ein paar Ausverkaufsindikatoren an, dass sich die Märkte kurzfristig stabilisieren könnten. Insgesamt hatten die meisten Stimmungsindikatoren aber noch kaum Zeit zu reagieren, weil der Absturz sehr prompt kam. Leider zieht ein Kursrückgang– nach einer Stabilisierungsphase – gerne einen zweiten nach sich. Zusammen mit passablen monetären Indikatoren und nur in Teilbereichen schlechten, sonst ordentlichen fundamentalen Daten schätzen wir die Lage neutral ein. Wir sind uns bewusst, dass die größte Aufgabe darin besteht, die Verluste nach unten zu begrenzen. Ändert sich die Situation, sind wir bereit sofort zu reagieren.

Fundamental

  • Die Abwertung des chinesischen Yuan unter die kritische Marke von 7,00 Yuan pro Dollar istnegativ.
  • Wir halten eine Einigung im Handelsstreit inzwischen für wenig wahrscheinlich: Chinas Präsident Xi Jinping bereitet sein Land rhetorisch auf schwierige Zeiten vor. US-Präsident Donald Trump hat den Bogen für eine zügige, gesichtswahrende Einigung überspannt und den chinesischen Präsidenten vor den Kopf gestoßen.
  • Der Zollstreit könnte sich weiter hochschaukeln und eskalieren.
  • Trump könnte auch auf die Idee kommen, Zölle auf deutsche Autos zu erheben.
  • Obwohl wir einen harten Brexit nach wie vor für keine gute Idee halten, wird es nach aktuellem Stand aber darauf hinauslaufen.
  • Konjunkturmeldungen aus Italien sind zuletzt wieder besser.
  • Die Staatsdefizite Chinas, Europas und der USA dürften sich, durch fiskalische Impulse zur Stützung der Konjunktur, weiter erhöhen. In Deutschland sieht man bislang allerdings keine Abkehr von der Schuldenbremse.
  • Von großen, global agierenden Chemiefirmen haben wir gehört, dass das Orderverhalten der Kunden der Situation von 2008/2009 ähnelt: Es wird nur auf Sicht geordert und nur in kleinen Mengen. Das ist grundsätzlich kein gutes Zeichen, zeigt aber auch, wie weit vorangeschritten die Situation bereits in einzelnen Branchen ist. Dem Gesamtmarkt sieht man das nicht an, denn die Divergenz der Branchen ist enorm hoch.
  • Auch in der Autoindustrie läuft es nicht rund, und eine Stabilisierung zeichnet sich derzeit nicht ab. Im Juni lag der europäische Automarkt rund 8% unter den Vorjahreszahlen.
  • Im Moment schwächen sich die Frühindikatoren weiter ab. Der globale Einkaufsmanagerindex ist inzwischen 15 Monate in Folge gefallen. 2009 waren es nur 10 Monate in Folge. In den USA hält sich sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Servicebereich über der Marke von 50, die noch auf eine stabile Konjunktur hindeutet. Anfang August gab es allerdings auch im Servicesegment einen Rückgang. In Europa sieht die Lage leider sehr trübe aus mit 46,4 Punkten im Euroraum und nur 43,1 in Deutschland. Das Positive: Dieser bis jetzt anhaltende Rückgang müsste sich inzwischen schon zu großen Teilen in den Kursen widerspiegeln.

 

Monetär

  • Ein wesentlicher Treiber für die gute Aktienmarktentwicklung war bis vor einigen Tagen das Vertrauen in die Notenbanken. Im Moment fehlt allerdings ein bisschen die Fantasie, wie die Notenbanken überraschen könnten, denn die Erwartungen sind schon recht hoch.
  • Wir gehen davon aus, dass die Notenbanken in den nächsten Quartalen den Geldhahn weiter aufdrehen werden. Allerdings dürften die Maßnahmen immer weniger Wirkung entfalten und – vermutlich – weiterhin nicht in der Realwirtschaft ankommen. Ein unerwünschter Nebeneffekt dürfte sein, dass das Geschäft der Banken damit kaputt gemacht wird. Wir meiden diesen Sektor weiterhin.
  • Ein anderer wichtiger Treiber sind nach wie vor die Aktienrückkäufe. Wichtig wird sein, dass diese Komponente nicht durch die Handelsstreitigkeiten belastet wird. Das wäre dann der Fall, wenn z.B. Technologiekonzerne (sie gehören zu den größten Aktienrückkäufern) durch zusätzliche Zölle belastet werden.
  • Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen liegen inzwischen bei nur noch 1,8%. Schaut man zurück, ist das aber nicht ganz neu, denn 2016 und 2012 hatten wir ähnliche Niveaus. Interessanterweise sind dieses Mal noch erstaunlich viele Short-Kontrakte auf US-Staatsanleihen offen, das heißt, die Anleger rechnen mit weiter fallenden Kursen. Das spricht zunächst für eine Fortsetzung des Trends.
  • Bei hochverzinslichen Anleihen steigt zurzeit das Risiko, die Risikoaufschläge weiten sich aus und könnten wegen der wackligen Konjunktur auch noch weiter auseinandergehen. Hier scheint uns Vorsicht geboten.
  • Wir sehen im Rentenmarkt eine gewaltige Blase. Die 100-jährige Anleihe des Landes Nordrhein-Westfalen, die wir im Bestand haben, bringt nur noch 1,25% Rendite. Österreichische Bauunternehmen können sich mit negativen Zinsen verschulden und in der Schweiz sind sogar die 40-jährigen Staatsanleihen deutlich im negativen Bereich. Wie es aussieht, muss man sich an dieses niedrige respektive negative Zinsniveau gewöhnen. Die Japaner leben mit diesem Umstand schon lange und nicht unbedingt schlecht.
  • Wir sehen keinen Weg zurück, weg von niedrigen Zinsen, ohne dass massiver konjunktureller Schaden angerichtet wird. Daher gehen wir von anhaltend niedrigen Zinsen aus.
  • Die derzeit so niedrigen Zinsen, sollte man allerdings nicht allein als Indikator für die wirtschaftliche Lage anlegen. Früher wäre das ein Zeichen für die Angst der Investoren vor schlechter Konjunktur gewesen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Heute überwiegt vermutlich der Einfluss der Zentralbankmaßnahmen.
  • Die Realzinsen schwächen sich immer weiter ab. Das wirkt unterstützend für Aktien und für Gold.
  • Die Inflation kommt weiterhin nicht in Gang. Wir sehen keinen Druck von dieser Seite. Wie z.B. in den USA liegt es auch daran, dass die Produktivität zuletzt wieder ansteigt und die steigenden Löhne sich somit nicht richtig niederschlagen.
  • Die Geldmengenwachstumsraten sind in den meisten Regionen in Ordnung und verschlechtern sich nicht weiter.
  • Die Kreditvergabe ist robust und zeigt keine Schwäche. In China verleihen die großen Banken inzwischen wieder stärker an Mittelstandsunternehmen und auch die chinesische Zentralbank (PBoC) vergibt selbst Kredite

 

Markttechnik

  • Der Markt entwickelt sich sehr heterogen.
  • Wir sind in einer „Alles-oder-nichts“-Situation, in der sowohl der US- als auch der deutsche Markt direkt an der 200-Tagelinie notieren. Brechen sie nach unten durch, müsste man die Situation negativer bewerten, denn dann könnten sich automatisierte Handelssysteme anschließen und verkaufen. Damit wären dann auch die Unterstützungen vom Mai zügig in Gefahr. Einstweilen gehen wir davon aus, dass die 200-Tagelinien halten.
  • Zwei positive Ausverkauf-Signale lassen uns glauben, dass kurzfristig etwas Ruhe einkehren könnte. Zum einen gab es gestern in den USA einen 90%-Down-Day bei dem fast alle Aktien gefallen sind. Und zweitens indiziert die Schwankungsbreite, dass der Stress im Markt deutlich gestiegen ist.
  • Wenn man den aktuellen Titelblatt-Indikator nimmt, dann dürfte bereits einiges eingepreist sein.
  • Saisonal verläuft 2019 bislang sehr typisch. Wir gehen deshalb davon aus, dass der Markt dem üblichen Muster folgen wird. August wäre demnach noch belastet und ab September wäre dann Besserung in Sicht.
  • Das Verhältnis zwischen Kauf- und Verkaufsoptionen (Put-Call-Ratio) − als Marktstimmungsindikator − ist okay.

 

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