Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Was sagt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aus?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – kurz KGV – gehört zu den meistgenutzten Kennzahlen bei der Bewertung von Aktien. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und liefert damit einen schnellen Anhaltspunkt, ob ein Unternehmen an der Börse eher günstig oder teuer bewertet ist.
Für Anleger, die einzelne Aktien vergleichen oder den Gesamtmarkt einordnen möchten, ist das KGV ein hilfreicher erster Orientierungspunkt. Allerdings hat die Kennzahl auch Grenzen.
Das Wichtigste zum Kurs-Gewinn-Verhältnis
Definition: Das KGV gibt an, mit dem Wievielfachen des Jahresgewinns eine Aktie an der Börse bewertet wird. Es berechnet sich aus dem Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie.
Interpretation: Ein niedriges KGV deutet auf eine günstige Bewertung hin, ein hohes KGV auf eine teure – jeweils relativ zur Branche oder zum historischen Durchschnitt.
Einschränkung: Das KGV allein reicht nicht für eine Anlageentscheidung. Branchenunterschiede, Gewinnprognosen und Marktzyklen beeinflussen die Aussagekraft erheblich.
Was ist das KGV?
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (englisch: Price-Earnings Ratio, kurz P/E Ratio) ist eine Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Es gibt an, wie viele Jahre ein Unternehmen – bei gleichbleibendem Gewinn – benötigen würde, um seinen aktuellen Börsenwert zu erwirtschaften.
Mit anderen Worten zeigt das KGV, wie viel Euro Anleger bereit sind, für einen Euro Unternehmensgewinn zu zahlen. Ein KGV von 15 bedeutet beispielsweise, dass Anleger das 15-Fache des Jahresgewinns für eine Aktie bezahlen.
Das KGV bei Aktien ist deshalb so verbreitet, weil es einfach zu berechnen ist und einen schnellen Vergleich zwischen Unternehmen ermöglicht. Nicht umsonst zählt es zu den zentralen Werten der sogenannten Fundamentalanalyse – also der Bewertung eines Unternehmens anhand wirtschaftlicher Kennzahlen.
Von Michelle Kleinschmidt, aktualisiert am 12.08.2026
Wie lässt sich das KGV berechnen?
Die Formel für das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist einfach:
KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
Der „Gewinn je Aktie" (oft auch als EPS abgekürzt, vom englischen „Earnings per Share") gibt an, wie viel Gewinn auf eine einzelne Aktie entfällt. Diese Zahl finden Sie in den Geschäftsberichten eines Unternehmens oder auf gängigen Finanzportalen.
Beispielberechnungen zum KGV
KGV bei 15
Angenommen, die Aktie eines Unternehmens notiert bei 60 Euro. Der Gewinn je Aktie beträgt 4 Euro.
KGV = 60 € ÷ 4 € = 15
Das bedeutet: Anleger bewerten das Unternehmen mit dem 15-Fachen seines Jahresgewinns. Rein rechnerisch würde es 15 Jahre dauern, bis das Unternehmen seinen Börsenwert verdient hat – vorausgesetzt, der Gewinn bleibt konstant.
KGV bei 30
Ein zweites Beispiel zum Vergleich: Unternehmen B wird ebenfalls bei 60 Euro gehandelt, erzielt aber nur 2 Euro Gewinn je Aktie.
KGV = 60 € ÷ 2 € = 30
Unternehmen B ist also – gemessen am KGV – doppelt so teuer bewertet wie das erste Unternehmen. Ob das gerechtfertigt ist, hängt von weiteren Faktoren ab, etwa dem erwarteten Gewinnwachstum.
Welche Arten des KGV gibt es?
Je nachdem, welche Gewinndaten Sie für die Berechnung verwenden, ergeben sich unterschiedliche Varianten des KGV.
In der Praxis wird häufig das Forward KGV herangezogen, weil Anleger vor allem an der zukünftigen Ertragskraft interessiert sind.
KGV Arten
Historisches KGV
Das historische KGV, auch Trailing KGV genannt, verwendet den tatsächlichen Gewinn der vergangenen zwölf Monate. Der Vorteil: Es basiert auf realen, geprüften Zahlen. Der Nachteil: Es blickt in die Vergangenheit und sagt nichts über die künftige Entwicklung aus.
Prognostiziertes KGV
Das prognostiziertes KGV, auch als Forward KGV bezeichnet, verwendet den geschätzten Gewinn des laufenden oder kommenden Geschäftsjahres. Auf Finanzportalen ist diese Variante häufig mit einem kleinen „e" gekennzeichnet (KGVe), wobei das „e" für „erwartet" steht. Der Vorteil: Es ist zukunftsorientiert. Der Nachteil: Es hängt von Analystenschätzungen ab, die sich als falsch erweisen können.
Shiller-KGV
Das sogenannte Shiller-KGV – auch CAPE (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings) genannt – berechnet das Verhältnis aus dem Aktienkurs und dem durchschnittlichen, inflationsbereinigten Gewinn der letzten zehn Jahre. Diese Methode glättet kurzfristige Schwankungen und gibt einen langfristigeren Blick auf die Bewertung. Sie wird vor allem genutzt, um ganze Märkte (z. B. den S&P 500 für den US-Aktienmarkt) einzuordnen.
Was ist ein gutes KGV?
Eine pauschale Antwort auf die Frage, was ein guter KGV-Wert ist, gibt es nicht. Die Einordnung hängt immer vom Kontext ab.
Orientierungswerte
Folgende Werte können als grobe Richtschnur dienen:
KGV unter 10: Tendenziell günstig bewertet – kann aber auch auf Probleme im Unternehmen hindeuten
KGV zwischen 10 und 15: Moderate Bewertung, häufig bei etablierten, soliden Unternehmen
KGV zwischen 15 und 25: Durchschnittlich bis leicht erhöht
KGV über 25: Hohe Bewertung – oft bei wachstumsstarken Unternehmen, etwa aus dem Technologiesektor
Nach der klassischen Value-Theorie gilt ein KGV von etwa 8 für ein nicht wachsendes Unternehmen als günstig, ein KGV von 12 für ein leicht wachsendes. Ein höheres Gewinnwachstum rechtfertigt in der Praxis aber auch höhere Bewertungen.
Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte, keine festen Regeln. Ein KGV von 8 kann bei einem schrumpfenden Unternehmen teuer sein, während ein KGV von 30 bei einem stark wachsenden Technologieunternehmen angemessen erscheinen kann.
Wo sollte das KGV liegen?
Ob ein KGV hoch oder niedrig ist, lässt sich nur im Vergleich beurteilen:
Wo sollte das KGV liegen?
Branchenvergleich
Technologieaktien weisen historisch höhere KGVs auf als etwa Versorger oder Automobilhersteller. Ein KGV von 20 kann in der Tech-Branche normal sein, in der Automobilbranche aber als hoch gelten.
Historischer Vergleich
Liegt das aktuelle KGV eines Unternehmens deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt, kann das auf eine Überbewertung hindeuten.
Marktvergleich
Das durchschnittliche KGV des DAX lag in den vergangenen Jahrzehnten meist zwischen 12 und 16, beim S&P 500 eher zwischen 15 und 20. Der US-amerikanische Technologie-Index Nasdaq dagegen brachte ein KGV von 25 bis 28 auf die Waage.
Was sagt ein hohes oder niedriges KGV aus?
Hohes KGV: Risiko oder Wachstumschance?
Ein hohes KGV signalisiert, dass Anleger bereit sind, einen Aufschlag für die Aktie zu zahlen. In diesem Fall spiegelt die teurere Bewertung nicht den aktuellen, sondern den erwarteten Gewinn wider. Das kann verschiedene Gründe haben:
Starkes erwartetes Gewinnwachstum
Marktführerschaft oder Innovationskraft
Spekulative Übertreibung in bestimmten Marktphasen
Ein hohes KGV ist also nicht automatisch schlecht, es spiegelt häufig hohe Erwartungen wider. Werden diese enttäuscht, kann der Kurs allerdings deutlich fallen. Anleger sollten daher prüfen, ob die Gewinnerwartungen realistisch sind – oder ob die Bewertung überzogen wirkt.
Niedriges KGV: günstig oder Warnsignal?
Ein niedriges KGV kann bedeuten:
Die Aktie ist unterbewertet und bietet eine Einstiegschance
Der Markt erwartet sinkende Gewinne
Das Unternehmen befindet sich in einer strukturellen Krise
Ein günstiges KGV allein ist daher kein Kaufsignal. Aktien mit gravierenden Problemen wirken auf den ersten Blick unterbewertet, obwohl der niedrige Preis berechtigte Risiken widerspiegelt. Entscheidend ist daher der Kontext: Überprüfen Sie stets die Ursachen für ein niedriges KGV und bewerten Sie die Aktie vor allem mit Blick auf die zukünftige Gewinnerwartung.
Sonderfall: negatives KGV
Weist ein Unternehmen Verluste aus, wird das KGV rechnerisch negativ und ist damit nicht sinnvoll interpretierbar. In solchen Fällen wird es auf Finanzportalen häufig gar nicht angegeben. Für die Bewertung solcher Unternehmen eignen sich andere Kennzahlen besser, etwa das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).
Wie verändert sich das KGV in verschiedenen Marktphasen?
Das KGV der meisten Aktien schwankt mit der Stimmung an den Börsen. In einem Bullenmarkt – also bei anhaltend steigenden Kursen – sind Anleger oft bereit, höhere Preise für Aktien zu zahlen. Das treibt die KGVs in die Höhe. Umgekehrt fallen die KGVs in Bärenmärkten, wenn Unsicherheit herrscht und Aktien günstiger bewertet werden.
Auch das Zinsniveau spielt eine Rolle: In Niedrigzinsphasen akzeptieren Anleger tendenziell höhere KGVs, weil alternative Anlagen wie Anleihen oder Festgeld weniger Rendite bieten. Steigen die Zinsen, werden Aktien mit hohem KGV oft kritischer bewertet.
Die Marktphase ist daher ein wichtiger Faktor, um zu erkennen, ob eine Aktie tatsächlich günstig oder teuer ist. Wer antizyklisch investieren möchte – also in schwachen Marktphasen kauft und in starken verkauft – kann von diesen Schwankungen gezielt profitieren. Ein Blick auf das KGV kann dabei hilfreich sein.
Welche Faktoren beeinflussen das KGV?
Neben der Marktphase gibt es weitere Faktoren, die das Kurs-Gewinn-Verhältnis beeinflussen:
Gewinnentwicklung: Steigende Gewinne bei stabilem Kurs senken das KGV – und umgekehrt.
Branche: Wachstumsbranchen wie Technologie haben in der Regel höhere KGVs als zyklische Branchen wie Automobil oder Rohstoffe.
Analystenschätzungen: Beim prognostizierten KGV hängt alles von der Qualität der Gewinnprognosen ab. Werden diese nach unten korrigiert, steigt das KGV rechnerisch – auch ohne Kursveränderung.
Sondereffekte: Einmalige Gewinne oder Verluste – etwa durch den Verkauf von Unternehmensteilen – können das KGV verzerren und ein falsches Bild erzeugen.
Wo das KGV an seine Grenzen stößt
Das KGV ist eine nützliche Kennzahl für einen ersten Bewertungsvergleich – einfach zu berechnen, leicht verständlich und auf den meisten Finanzportalen verfügbar. Wer ein Unternehmen aber allein auf Basis des KGV bewertet, kann wichtige Aspekte übersehen:
Verluste: Erzielt ein Unternehmen keinen Gewinn, ist das KGV negativ und nicht interpretierbar.
Gewinnschätzungen: Beim Forward KGV hängt die Aussagekraft von Analystenschätzungen ab, die sich als falsch erweisen können.
Schulden und Bilanzqualität: Das KGV berücksichtigt weder die Verschuldung noch die finanzielle Stabilität eines Unternehmens.
Sondereffekte: Einmalige Gewinne oder Verluste – etwa durch den Verkauf von Unternehmensteilen – können das KGV verzerren und ein falsches Bild erzeugen.
Branchenunterschiede: Ein direkter Vergleich von KGVs über verschiedene Branchen hinweg ist nur eingeschränkt sinnvoll, da sich die typischen Bewertungsniveaus stark unterscheiden.
Gewinnqualität: Das KGV sagt nichts darüber aus, wie nachhaltig oder wiederkehrend die Gewinne eines Unternehmens sind.
Welche anderen Kennzahlen ergänzen das KGV?
Das KGV ist nur eine von vielen Bewertungskennzahlen. Je nach Fragestellung können ergänzende Kennzahlen sinnvoll sein:
weitere kennzahlen
Kurs-Buchwert-Verhältnis
Das KBV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Buchwert je Aktie – also zum bilanziellen Eigenkapital. Es zeigt, ob Anleger mehr oder weniger als den Substanzwert eines Unternehmens bezahlen. Besonders nützlich bei kapitalintensiven Branchen wie Banken oder Industrie
Kurs-Umsatz-Verhältnis
Das KUV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Umsatz je Aktie. Es eignet sich vor allem für Unternehmen, die noch keinen Gewinn erzielen – etwa junge Wachstumsunternehmen oder Start-ups.
Dividendenrendite
Die Dividendenrendite zeigt, wie viel Prozent des Aktienkurses ein Unternehmen jährlich als Dividende an seine Aktionäre ausschüttet. Sie ist besonders relevant für Anleger, die regelmäßige Erträge aus ihren Aktien erzielen möchten.
Weitere Artikel zu Aktien
Wie funktionieren Aktien?
Aktien gehören zu den renditestärksten Formen der Geldanlage – bringen aber auch Schwankungen mit sich. Wie gelingt der Einstieg, ohne den Überblick zu verlieren?
Erfahren Sie, wie Aktien funktionieren, welche Chancen und Risiken sie bieten und worauf es bei Strategie und Haltedauer wirklich ankommt.
Aktien kaufen: So gelingt der Einstieg an der Börse
Aktien zu kaufen ist heute in wenigen Minuten möglich – die Vorbereitung entscheidet aber über den Erfolg. Von der passenden Aktie bis zur richtigen Order-Art gibt es einiges zu beachten.
Aktien verkaufen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der Kauf einer Aktie fällt vielen Anlegern leichter als der Verkauf. Denn beim Verkauf zählen nicht nur Zahlen, sondern auch Emotionen.
Marketing-Anzeige – Alle hier veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Die enthaltenen Aussagen geben die aktuelle Einschätzung der DJE Kapital AG wieder. Diese können sich jederzeit, ohne vorherige Ankündigung, ändern. Alle getroffenen Angaben sind mit Sorgfalt entsprechend dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Erstellung gemacht worden. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch keine Gewähr und keine Haftung übernommen werden.