
Januar-Effekt: Saisonaler Renditegarant oder Mythos?
Börsenweisheiten und Annahmen über vermeintliche saisonale Sondereffekte gibt es wie Sand am Meer. In diese Kategorie fällt auch der so genannte „Januar-Effekt“. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Der Januar-Effekt speist sich aus der Annahme, dass vor allem zum Jahresbeginn höhere Renditen für Anleger möglich sind. Und ein Blick auf die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten scheint die Annahme ebenfalls zu untermauern. Sollten Anleger also den Januar-Effekt unbedingt nutzen?
Das Wichtigste zum Januar-Effekt
Grundannahme:
Der Januar-Effekt beschreibt die These, dass Aktienmärkte zu Jahresbeginn – besonders im Januar – überdurchschnittliche Renditen erzielen. Als mögliche Ursachen gelten Umschichtungen zum Jahreswechsel, steuerlich motivierte Verkäufe zum Jahresende sowie Reinvestitionen im Januar.
Historische Beobachtung:
Empirische Untersuchungen zeigen, dass ein solcher Effekt in der Vergangenheit vor allem bei Aktien mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) beobachtet wurde. Bei großen Standardwerten und breiten Aktienindizes lässt sich der Januar-Effekt hingegen langfristig nicht eindeutig nachweisen.
Einschränkungen:
Auch beim Januar-Effekt gilt: Historische Muster sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Einzelne starke Januar-Performances treten zwar immer wieder auf, insgesamt eignet sich der Effekt jedoch nicht als verlässliche Grundlage für Investmententscheidungen.
Ursprung des Januar-Effekts
Kapitalmarktexperten gehen mittlerweile davon aus, dass der Januar-Effekt – sofern er denn eintritt – seinen Ursprung bereits am Ende des Vorjahres hat. Denn nicht selten versuchen vor allem US-Anleger im Dezember durch Verkäufe von Verlustpositionen, möglicherweise anfallende Steuern bei gut gelaufenen Aktienpositionen auszugleichen. Freigewordenes Kapital kann dann im Januar wieder investiert werden.
Gleichzeitig sind fallende Kurse im Dezember für viele Anleger ein Investmentanreiz, um bessere Einstiegskurse zu nutzen. Ein weiterer möglicher Verstärker für positive Wertentwicklungen im Januar sind zusätzliche Geldmittel bei Anlegern, etwa Jahresbonuszahlungen.

Januar-Effekt bei Small Caps
Renditen variieren stark je nach Betrachtungszeitraum, geografischem Raum und Aktien-Typ. Gerade zwischen Aktien mit geringer und hoher Marktkapitalisierung (Small- bzw. Large Caps) zeigen sich Unterschiede.
So beobachtete der „Erfinder“ des Januar-Effekts, der Investmentbanker Sidney Wachtel, bereits in den 1940er-Jahren, dass vor allem Small Caps aufgrund ihrer geringeren Liquidität stärker von saisonalen Ausschlägen im Januar betroffen waren.
Die Grafik zeigt die monatlichen Durchschnittsrenditen des US-Leitindex S&P 500 seit 1994 und ordnet den Januar im historischen Kontext ein.
Quelle: Bloomberg, DJE Kapital AG (Stand 29.12.2025)

Große Indizes ohne klaren Januar-Vorteil
Die Daten der großen Indizes stützen die Annahme des Januar-Effekts allerdings nicht. Ein Blick auf die monatlichen Durchschnittsrenditen der vergangenen rund 30 Jahre des US-Leitindex S&P 500 sowie auf den DAX zeigt klar: Bei großen Blue-Chip-Aktien ist der Januar im Durchschnitt kein übermäßig starker Monat.
Trotzdem tritt das Phänomen einzelner starker Januar-Performances immer wieder auf. Insgesamt hält sich in den genannten Indizes jedoch die Waage zwischen positiven und negativen Renditen im Januar.
Die Grafik veranschaulicht dieses Muster anhand der monatlichen Renditen des DAX seit 1994.
Quelle: Bloomberg, DJE Kapital AG (Stand 29.12.2025)
Einzelwerte und Sektoren: Warum der Index nicht alles ist
Wichtig: Wer durchschnittliche Entwicklungen größerer Indizes betrachtet, sollte sich stets vor Augen führen, dass sich der Kapitalmarkt keinesfalls aus wenigen großen Bestandteilen, sondern aus sehr vielen einzelnen Unternehmen zusammensetzt. Das gilt selbstverständlich auch für die Indizes und die Aktien, die sie umfassen.
Das bedeutet auch, dass einzelne Unternehmen oder Sektoren durchaus von saisonalen Effekten profitieren können, selbst wenn sich dies auf Indexebene nicht widerspiegelt.
Langfristige Strategie schlägt saisonale Muster
Saisonale Anomalien, wie etwa der Januar-Effekt, sind keine verlässliche Grundlage für Investmententscheidungen. Eine sinnvolle, langfristige Anlagestrategie mit einer genauen Analyse von Einzeltiteln bildet hingegen das Fundament für die persönliche Geldanlage. Entsprechend wichtig sind auch die richtige Erwartungshaltung sowie der Anlagehorizont.
Anleger, die auf der Suche nach kurzfristigen Renditen sind, laufen an den Kapitalmärkten stets Gefahr, enttäuscht zu werden. Ein langer Atem und eine gewisse Ruhe sind essenzielle Bestandteile des Erfolgs an der Börse.
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