Die Erwartungen an die Geldpolitik haben sich innerhalb weniger Monate deutlich gewandelt. Anfang 2026 gingen Anleger noch davon aus, dass die großen Zentralbanken ihre Leitzinsen im Jahresverlauf spürbar senken würden. Sinkende Inflationsraten und die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Abkühlung schienen den Weg für einen globalen Lockerungszyklus zu ebnen. Diese Einschätzung wurde inzwischen jedoch deutlich korrigiert.
Auslöser der Neubewertung sind vor allem die erneut gestiegenen Inflationserwartungen. Im Zentrum steht dabei die geopolitische Eskalation im Nahen Osten. Der Konflikt mit dem Iran und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Transportrouten für Öl, haben die Energiepreise deutlich steigen lassen und die Sorge vor einer neuen Inflationswelle verstärkt.
Damit geraten die Zentralbanken erneut in einen Zielkonflikt. Einerseits schwächt sich das Wachstum in Teilen der Weltwirtschaft ab, andererseits drohen höhere Ölpreise, die Inflation länger hochzuhalten. Besonders problematisch ist dabei, dass Energiepreisschocks häufig zeitverzögert auf Transportkosten, Industriepreise und schließlich auch auf Dienstleistungen und Löhne wirken. Mehrere Notenbanken warnen inzwischen ausdrücklich vor solchen Zweitrundeneffekten.
Die Folgen zeigen sich unmittelbar in den Markterwartungen. In vielen Ländern wurden umfangreiche Zinssenkungen deutlich zurückgenommen. Teilweise rechnen Investoren inzwischen sogar wieder mit Zinserhöhungen. Vor allem in energieabhängigen Volkswirtschaften wie der Eurozone sind die Erwartungen an einen langfristig restriktiven geldpolitischen Kurs gestiegen.
Der Chart verdeutlicht somit einen grundlegenden Perspektivwechsel an den Märkten. Anstelle eines synchronen globalen Szenarios mit weltweit sinkenden Zinsen rückt zunehmend ein Szenario in den Vordergrund, in dem geopolitische Risiken und eine strukturell höhere Inflation die Geldpolitik über einen längeren Zeitraum hinweg unter Druck setzen.
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