Zukunftsmarkt KI: Wer profitiert, wer fällt zurück?

 

Künstliche Intelligenz (KI) bleibt das zentrale Thema im Technologie­sektor. Massive Investitionen in Rechen­zentren und Schlüssel­techno­logien treiben den Markt voran. Führende Akteure wie NVIDIA und spezialisierte Anbieter profitieren gleicher­maßen von der Dynamik bei Hardware, Software und neuen Anwendungen.

 

Verhaltene Stimmung trotz erster Erholung

 

Das Markt­umfeld für Künstliche Intelligenz zeigt sich derzeit vergleichs­weise zurück­haltend. Betrachtet man die Ent­wicklung seit Anfang 2023 - dem Beginn des KI-Booms mit der Ver­öffent­lichung von ChatGPT - wird deutlich, dass sich die Stimmung nach anfäng­licher Euphorie deutlich abgekühlt hat. Zwar hat sich die Stimmung seit Oktober wieder leicht erholt, das Niveau ist aber immer noch niedrig. Auffällig und typisch nach einer solchen Korrektur ist, dass nur wenige aus­ge­wählte Werte von der wieder positiveren Markt­stimmung profitieren konnten. Ins­be­sondere Unter­nehmen, deren Geschäft zu 20 bis 40 Prozent - oder mehr - durch KI geprägt ist, zeigen Anzeichen einer stabileren Positionierung.

 

KI-Hardware: Schlüsseltechnologien für den Fortschritt

 

Zu den Haupt­akteuren auf dem Gebiet der KI-Hardware gehören Unter­nehmen, die Schlüssel­komponenten entwickeln und herstellen. NVIDIA, der Markt­führer bei Grafik­prozessoren (GPUs), die für KI-Anwendungen ent­scheidend sind, hält mit über 80 Prozent den größten Markt­anteil. Im Bereich der Hoch­leistungs­speicherchips (HBM), die für KI-Chips un­ver­zicht­bar sind, spielt ein führender Hersteller aus Süd­korea mit einem KI-Anteil von rund 30 Prozent eine zentrale Rolle. Hinzu kommt Broadcom, ein spe­zia­li­sierter Anbieter aus den USA, der sowohl in der Netz­werk­aus­rüstung als auch im Chipdesign tätig ist und rund 20 Prozent seines Umsatzes im Bereich KI erzielt. Taiwan Semiconductor, der weltweit führende Halb­leiter­hersteller, plant ab 2025 einen KI-Anteil von über 20 Prozent. 

 

Cloud-Giganten treiben KI-Revolution voran

 

Der Sektor der Hyperscaler - Unter­nehmen, die Cloud-Daten­zentren mit enormen KI-Rechen­kapa­zitäten betreiben - erweist sich weiterhin als robust. Diese Akteure spielen eine zentrale Rolle im Wett­lauf um die Ent­wicklung führender Large Language Models (LLMs) und der Vision einer Artificial General Intelligence (AGI). Obwohl der KI-Umsatz­anteil der Hyperscaler noch unter dem der Hardware­ent­wickler liegt, haben sie KI schnell zu einem strategischen Kern­thema gemacht. Dank ihrer großen finanziellen Ressourcen und der bereits vorhandenen Expertise konnten diese Unter­nehmen KI erfolg­reich und schnell in ihre Geschäfts­modelle integrieren.

 

Zu den führenden Hyperscalern gehört Amazon, der weltweit größte Anbieter von Cloud-Infra­strukturen. Neben dem Einsatz von NVIDIA-GPUs entwickelt das Unter­nehmen eigene KI-Chips (Trainium und Inferentia) und bietet eine breite Palette von KI-Entwicklungs­tools und -Modellen an. Ein weiterer Akteur ist ein großer Cloud-Anbieter, der versucht, seine Position im KI-Sektor durch umfang­reiche Investitionen und Partner­schaften (z. B. mit Microsoft und OpenAI) zu stärken.

 

Meta hat KI erfolgreich in die Werbung integriert und ist eines der ersten Unter­nehmen, das KI monetarisieren konnte. Das Unter­nehmen betreibt auch eines der führenden Large Language Models (LLMs) namens LLaMA3.2. Microsoft hat sich mit seiner Cloud-Platt­form Azure und der engen Partner­­schaft mit OpenAI früh­zeitig im AI-Sektor etabliert. Derzeit ist der Konzern jedoch bei institutionellen Investoren mit einem Minus von 2,08 Prozent im Vergleich zur Gewichtung im S&P 500 unter­gewichtet, wie eine Analyse von Morgan Stanley zeigt.

 

Google ist seit langem Vor­reiter im Bereich KI und betreibt mit DeepMind eines der weltweit führenden KI-Labore. Mit Gemini hat das Unter­nehmen ein fort­schritt­liches LLM entwickelt, das jedoch zunehmend von Platt­formen wie ChatGPT, Claude und Perplexity heraus­gefordert wird. Einige Anfragen werden bereits direkt an diese Platt­formen gerichtet, anstatt über die Google-Suche. Trotz dieser Konkurrenz konnte Google sein Kern­geschäft verteidigen und weiter ausbauen.

 

Erwähnens­wert ist auch ein führender Anbieter im Bereich der autonomen Fahr­zeuge, der als Tochter­unter­nehmen von Google agiert. Das Unter­nehmen hat seinen Service in mehreren US-Städten etabliert und sich erfolgreich gegen lang­jährige Mit­bewerber durchgesetzt.

 

Datenzentren: Ein wesentlicher Bestandteil des 
KI-Booms

 

Ein wesentlicher Treiber des KI-Booms ist der massive Ausbau von Daten­zentren, die für die Rechen­leistung der Hyperscaler un­ver­zicht­bar sind. Ein führender An­bieter aus den USA, der seit Jahren auf den Bau solcher Zentren spezialisiert ist, profitiert besonders stark von dieser Ent­wicklung. Zum Leistungs­spektrum des Unter­nehmens gehören neben dem Bau auch die energetische An­bindung und die Kühlung der Anlagen - angesichts des hohen Energie­bedarfs und der Abwärme von KI-Infra­strukturen zentrale Aspekte.

 

Die Kombination aus hoher Qualität und lokaler Präsenz ist ein wichtiges Unter­scheidungs­merkmal dieses Anbieters gegenüber seinen Mit­bewerbern. Das Unter­nehmen verfügt über ein spezialisiertes Service­team, das direkte Unter­stützung vor Ort in den USA bietet, um die An­forderungen der Kunden optimal zu erfüllen.

 

Marktführer behaupten sich, kleinere Anbieter unter Druck

 

Die zuvor genannten Unter­nehmen zählen zu den markt­führenden Akteuren im Bereich der Kern-KI. Sie haben bereits signifikante Erfolge erzielt und ihre Positionen gefestigt. Daneben gibt es zahl­reiche Spezialisten und kleinere Unternehmen, die oft inno­vative Ansätze verfolgen, jedoch auch mit größeren Investitions­risiken verbunden sind. Besonders bei der jüngsten Erholung im KI-Sektor zeigte sich, dass viele kleinere Anbieter zurück­geblieben sind.

 

Auch mittel­große Wett­bewerber im Chip- oder Netzwerk­bereich stehen vor Heraus­forderungen. Sie spüren den intensiven Wett­bewerb mit führenden Unter­nehmen wie NVIDIA und Broadcom deutlich. Zudem wird die Schwäche in anderen Halb­leiter­segmenten – wie Automotive, PC, Smartphone, Industrial und IoT – durch die vergleichs­weise geringen KI-Anteile dieser Firmen am Gesamt­umsatz nicht kompensiert.

 

Ein weiteres Problem für viele Chip­ausrüster ist ihr hoher Umsatz­anteil in China, der durch­schnitt­lich bei etwa 30 Prozent liegt. Diese Ab­hängig­keit dämpft die Markt­erwartungen weiter, ins­be­sondere angesichts der drohenden Ver­schärfung von Zöllen und Export­beschränkungen unter der neuen US-Regierung.

 

Marktchancen in der KI-Software: Wer setzt neue Standards?

 

Im Bereich der KI-Software ist derzeit weniger klar, welche Unter­nehmen lang­fristig zu den Gewinnern gehören werden. Dies liegt an der Struktur der Wert­schöpfungs­kette: Bevor Software­anbieter ihre Lösungen entwickeln und skalieren können, muss die zugrunde­liegende Infra­struktur bereit­stehen.

 

Einige Anbieter haben sich bereits mit führenden und markt­fähigen KI-Lösungen etabliert. Dazu gehört ein internationaler Software­ent­wickler, der kürzlich eine Platt­form für sogenannte Software-Agenten vor­ge­stellt hat. Diese virtuellen Mit­arbeiter sollen in der Lage sein, komplette Aufgaben eigenständig zu erledigen.

 

ServiceNow, eine Platt­form zur Optimierung von Unternehmens­prozessen, ist eben­falls ein wichtiger Akteur. Das Unter­nehmen bietet zahlreiche Automatisierungs­lösungen an, die KI gezielt einsetzen. In Bereichen wie HR, Kunden­service und IT-Management profitieren Kunden von intelligenten Such­funktionen, individuellen Zusammen­fassungen und automatisierten Prozessen.

 

Auch ein führender Anbieter von Unternehmens­software ermöglicht den Einsatz von KI-Agenten und Assistenten in unter­schiedlichen Bereichen wie Logistik, Finanz­verwaltung und Personal­management. Im Bereich der Cyber­sicherheit setzen zwei Markt­führer auf KI-gestützte Techno­logien, die Bedrohungen analysieren, Sicherheits­lücken identi­fi­zieren und Reaktionen auto­mati­sieren. Diese Lösungen reduzieren Reaktions­zeiten von Stunden oder Tagen auf Minuten und setzen so neue Maß­stäbe im Sicherheits­management.

 

Für Anleger, die in den KI-Sektor investieren möchten, könnten Kurs­rück­setzer bei diesen Unter­nehmen interessante Einstiegs­möglichkeiten bieten.

 

KI-Zukunftsmärkte: Autonome Mobilität und Robotik

 

Im Zuge der KI-Ent­wicklungen werden die Themen Robotik und selbst­fahrende Taxis (Robotaxis) immer konkreter. Ein führendes US-Unter­nehmen gilt als Vorreiter im Bereich der autonomen Fahr­zeuge und hat sich mit den meisten Fahrgast­kilometern ohne Fahrer etabliert. Das Unternehmen expandiert derzeit und ist nun neben San Francisco und Los Angeles auch in Städten wie Atlanta und Phoenix aktiv. 

 

Einen technologisch anderen und kosten­günstigeren Ansatz verfolgt ein weiterer Akteur in diesem Bereich. Statt auf teure Sensorik wie Lidar setzt der US-Technologie­konzern Tesla auf KI-gestützte Software und Kamera­systeme. Das Unter­nehmen plant, die ersten Robo­taxis bis Ende 2025 in den USA auf die Straßen zu bringen. Bisher wurde die Ent­wicklung allerdings durch regu­la­to­rische Hürden gebremst. Mit der neuen Regierung, in der Elon Musk selbst zu den politischen Ent­scheidungs­trägern gehört, sollen diese Hürden deutlich reduziert werden - ein Schritt, der dem Robo­taxi-Markt zusätzlichen Schwung verleihen könnte.

 

In China ist der Markt für Robo­taxis bereits weiter ent­wickelt, was vermut­lich auf eine weniger strenge Regulierung zurück­zu­führen ist. Dort haben sich drei Unter­nehmen hervor­getan, von denen eines im Oktober erfolg­reich an der Nasdaq notiert wurde und ein weiteres seinen Börsen­gang vorbereitet. Beide arbeiten an ihrer inter­natio­nalen Expansion und sind bereits in Städten wie Abu Dhabi, Singapur und Südkorea aktiv. Aufgrund von Sicherheits­bedenken ist es jedoch un­wahr­schein­lich, dass chinesische Robotaxis in ab­seh­barer Zeit in den USA zuge­lassen werden.

 

Automatisierung: Innovationen für Alltag und Industrie

 

Die Ent­wicklungen im Bereich der Robotik sind äußerst spannend. Es gibt zahl­reiche ernst­zu­nehmende Akteure, die unter­schied­liche Anwendungs­bereiche abdecken. Laufende Roboter, die auch in schwierigen Umgebungen, wie unweg­samem Gelände, ein­satz­fähig sind, sind ebenso ver­treten wie Logistik­roboter, Roboter für die industrielle Fertigung, medizinische und pflegerische An­wendungen oder Haushalts­roboter.

 

Derzeit ist es schwierig, die zukünftigen Gewinner in diesem Sektor zu identi­fi­zieren. Eines ist jedoch bereits klar: NVIDIA spielt in diesem Bereich eine zentrale Rolle. Viele Roboter nutzen NVIDIA-Technologie, um ihre Systeme zu betreiben. Zudem hat das Unter­nehmen letzte Woche eine neue Version seiner humanoiden Roboter­plattform vor­gestellt, die ab 2025 verfügbar sein soll.

 

 

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