Die Lage rund um Iran blieb der wichtigste geopolitische Belastungsfaktor. Im Oktober verdichteten sich die Risiken für die Energieversorgung und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erneut.

Angriffe auf Schiffe und eine verschärfte Bedrohungslage für Energieinfrastruktur erhöhten die Risikoprämie am Ölmarkt. Damit blieb der Ölpreis der zentrale Übertragungskanal der geopolitischen Entwicklung auf die Kapitalmärkte: Steigende Energiekosten erhöhen die kurzfristigen Inflationsrisiken, belasten die Realwirtschaft und schränken zugleich den geldpolitischen Spielraum der Notenbanken ein. 

 

Die US-Notenbank beließ die Zielspanne für den Leitzins Ende Oktober bei 3,75% bis 4,00%. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig; zwei Mitglieder votierten für eine weitere Anhebung. Die Fed verwies weiterhin auf ein erhöhtes Inflationsniveau und machte deutlich, dass für weitere Schritte zunächst zusätzliche Daten abgewartet werden sollen. Für den Markt war diese Pause daher kein geldpolitischer Kurswechsel, sondern eine Unterbrechung innerhalb eines grundsätzlich restriktiven Umfelds. Die Kombination aus weiter erhöhtem Preisdruck, einem trotz nachlassender Dynamik robusten Konjunkturbild und anhaltend hohen Energiepreisen lässt die Erwartung eines weiteren Zinsschritts im Dezember bestehen. Für Aktien erhöhte sich dadurch der Bewertungsdruck, weil höhere langfristige Renditen sowohl die Diskontierung zukünftiger Gewinne als auch die Finanzierungskosten von Unternehmen belasten. 

 

Auch die EZB blieb restriktiv, entschied sich im Oktober jedoch nach den Zinserhöhungen im Juni und September für eine Pause. Der Einlagensatz blieb bei 2,50%. Die Notenbank verwies auf die Risiken höherer Energiepreise, sah jedoch noch keinen ausreichenden Beleg dafür, dass sich der Energiepreisschock breit in die Kerninflation überträgt. Gleichzeitig hielt sie die Option weiterer Zinserhöhungen ausdrücklich offen. Für die Marktteilnehmer verlagert sich der Blick daher auf die Dezember-Sitzung. 

 

Innerhalb der Aktienmärkte setzte sich eine differenzierte Entwicklung fort. Die Berichtssaison bot zwar in Teilen Unterstützung, insbesondere in Europa, wo große Indizes im Monatsverlauf zulegen konnten. Gleichzeitig blieb der Technologiesektor volatil. Die zuvor hohen Erwartungen an Investitionen in künstliche Intelligenz wurden zunehmend daran gemessen, ob sich die erheblichen Investitionsausgaben auch in belastbares Umsatz- und Cashflow-Wachstum übersetzen lassen. Entsprechend reagierten Technologieaktien gegen Monatsende empfindlich auf Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben. 

 

An den Rentenmärkten für Staatspapiere in den USA und Deutschland entwickelten sich die Renditen im Monatsvergleich einheitlich. Sie fielen für 10-jährige US-Staatsanleihen zum Monatsultimo um 36 Basispunkte und schlossen bei 4,93%. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen ermäßigte sich um 26 Basispunkte von 3,58% auf 3,32%. Die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen fiel um 10 Basispunkte auf 4,51%. 

 

Bei den Investment Grade Unternehmensanleihen gab es auch ein einheitliches Bild. Die Rendite von Euro Investment Grade Papieren ging von 4,28% auf 4,22% zurück und die von in US-Dollar denominierten Unternehmensanleihen fiel von 6,04% auf 5,79%. Im High-Yield Segment waren die Trends komplett unterschiedlich. So fiel bei US-Dollar-Unternehmensanleihen die Rendite um 5 Basispunkte auf 8,30%, wogegen sie bei in Euro notierten Papieren um 50 Basispunkte auf 7,27% anzog. 

 

Gold wurde auch im Oktober abverkauft und schloss bei US-Dollar 3.875 pro Unze. Der US-Dollar zeigte sich gegenüber dem Euro etwas stärker und notierte am Monatsende bei 1,116.

 

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Andreas Weichert

Autor

Andreas Weichert

Lead Content Marketing Manager