Unsere Einschätzung zum April hat sich insgesamt bestätigt. Der mögliche Worst Case – Angriffe auf die Infrastruktur des Iran oder eine weitere Eskalation des Krieges – ist ausgeblieben. Das erwartete Erholungspotenzial hat sich realisiert und wurde von einer aufgehellten Stimmung sowie der zuvor vorsichtigen Positionierung vieler Marktteilnehmer getragen. Auch die Investitionsthese rund um KI- und Datacenter-Infrastruktur hat Bestand. Die Hyperscaler weiteten ihre Investitionen erneut aus. Entsprechend entwickelten sich ausgewählte Tech-, KI-, Industrie- und Energieversorgerwerte sehr positiv. Insgesamt zeigten die großen Aktienmärkte im April eine kräftige Erholung. Auf Sektorenebene entwickelten sich weltweit vor allem Technologiewerte sehr gut, während Öl- und Gaswerte sowie Werte aus dem Pharma- und Healthcare-Bereich zurückblieben. In Europa waren daneben auch Banken-, Medien- und Industriewerte gefragt.
Mittelfristig bleiben wir konstruktiv eingestellt. Mit Blick auf den aktuellen Monat dürfte die Börsenregel „Sell in May“ nur bei einer erneuten Eskalation im Nahen und Mittleren Osten greifen. Für die USA erwarten wir weiterhin keine Rezession. Die Rezessionswahrscheinlichkeit liegt derzeit bei rund 26 Prozent. Zugleich zeigt sich die US-Industrie robust, getragen von Reshoring, Datencentern und Chipfabriken. Unternehmen mit starker Präsenz im US-Industriebereich berichten von außergewöhnlichem Optimismus. Vor diesem Hintergrund bleiben die USA aus relativer Sicht aussichtsreich.
Auch die Gewinnentwicklung stützt dieses Bild. Die Berichtssaison zum ersten Quartal lieferte vor allem in den USA starke Gewinnzuwächse. Negative Gewinnrevisionen auf Sektorebene sind bislang nicht zu beobachten. Die Margenexpansion und die Profitabilitätssteigerung im breiten US-Aktienmarkt setzen sich fort.
Auch die positive Dynamik rund um KI- und Datacenter-Infrastruktur dürfte anhalten. Für das Jahr 2026 werden die Investitionen der Hyperscaler laut Morgan Stanley auf rund 800 Mrd. US-Dollar geschätzt. Das spricht dafür, dass die Mittel in diesem Bereich weiter fließen dürften.
Gleichzeitig bleibt das Bild einer K-förmigen Wirtschaftsentwicklung bestehen. Das obere Einkommenssegment läuft weiterhin sehr gut. Die Einzelhandelsumsätze zeigen bislang keine Abschwächung des Konsums und auch die Schuldenbelastung der Haushalte liegt noch unter dem Niveau vor der Corona-Krise.
Europa zeigt sich dagegen konjunkturell weiterhin schwach. Hinzu kommt ein konkretes saisonales Risiko: die hohe Abhängigkeit des Flugverkehrs von Kerosin aus dem Nahen Osten könnte während der Ferienzeit im Sommer zu Engpässen führen.
Chancen, die wir sehen:
Tech-, Halbleiter- und KI-Werte: Die Investitionen der Hyperscaler bewegen sich auf einem sehr hohen Niveau. Südkoreanische Speicherchiphersteller sowie taiwanesische Technologiewerte zeigen eine ausgeprägte relative Stärke. Ausgewählte Technologie-, Halbleiter- und KI-Werte bleiben vor diesem Hintergrund chancenreich.
Energie: Die globalen Lagerbestände sinken, während die US-Ölexporte ein Rekordniveau erreicht haben. Zugleich wird für den Energiesektor im breiten US-Aktienmarkt für 2026 ein starkes Gewinnwachstum erwartet. Der Sektor bleibt damit aussichtsreich.
Asien: Asiatische Aktien haben sich seit Jahresbeginn stark entwickelt. Die Region bleibt damit ein Markt, der weiter aufmerksam beobachtet werden sollte.
US-Industriewerte / Reshoring: Datencenter, Chipfabriken und Reshoring treiben die US-Industrie. Davon können auch ausgewählte Industriewerte profitieren.
Anleihen: Anleihen mit mittlerer Laufzeit bleiben aus unserer Sicht interessant.
Iran-Deal: Mittelfristig erscheint eine Art Einigung wahrscheinlich, da der Iran ohne Ölexporte seine wichtigste Einnahmequelle verlieren würde. Dies könnte den Ölpreis und die geopolitische Lage entlasten.
Risiken, die wir beobachten:
Ölpreis: Sollte sich der Spotpreis dauerhaft auf einem sehr hohen Niveau halten, dürfte dies Druck auf die Aktienmärkte ausüben, vor allem in Europa. Historisch waren starke Ölpreisanstiege gegenüber dem Vorjahr häufig problematisch für Konjunktur und Kapitalmärkte.
Iran / Geopolitik: Der Markt preist bislang nur mit begrenzter Sicherheit eine zeitnahe Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus ein. Sollte sich diese Normalisierung stärker verzögern als derzeit angenommen, könnten die Energiepreise länger auf einem hohen Niveau verharren.
Handelspolitik / Zölle: Die jüngste Anhebung der US-Automobilzölle wird derzeit zwar eher als Druckmittel in den Verhandlungen mit der EU interpretiert, denn als Auftakt eines neuen Handelskriegs. Sollte es dennoch zu Gegenzöllen kommen, würde das Rezessionsrisiko in Europa deutlich steigen.
Europa-Konjunktur: Die europäische Konjunktur bleibt schwach. Hinzu kommt für den Sommer das Risiko eines Kerosinengpasses. Europa gilt als besonders abhängig von entsprechenden Importen. Sollte sich die handelspolitische Lage zusätzlich verschärfen, dürfte vor allem in Deutschland das Rezessionsrisiko steigen.
Healthcare: Der Sektor zeigte zuletzt sowohl in Europa als auch in den USA eine schwache Entwicklung. Damit bleibt er vorerst technisch angeschlagen.
Inflation / Zinsen: Die Inflation dürfte leicht anziehen. Gleichzeitig bleibt die US-Notenbank in ihrer Kommunikation eher restriktiv. Weitere Zinssenkungen sind am Markt daher weitgehend ausgepreist.
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