Was Anleger jetzt tun können

Die Börsen beben weltweit. Und die Turbulenzen dürften andauern – die Unsicherheit bleibt groß. Anleger sind deshalb aktuell mit Rohstoffen gut bedient – oder mit Rohstoff-Aktien, sagt Dr. Jens Ehrhardt im Interview mit Matthias Schneider vom Münchner Merkur.

Der Krieg in der Ukraine erschüttert die Märkte, viele Anleger flüchten in stabilere Güter. Richtig so, sagt Dr. Jens Ehrhardt, denn das Schlimmste steht uns möglicherweise noch bevor. Welche Gefahren für Vermögen drohen und welche Chancen sich jetzt ergeben, erklärt der Gründer der DJE-Vermögensverwaltung.

Herr Ehrhardt, die russischen Panzer rollen und weltweit fallen die Kurse. Was sollten Anleger jetzt tun? Kaufen, wenn die Kanonen donnern?

Nein, das galt vielleicht im Irak-Krieg, aber ich denke, dass uns die Ukraine-Krise länger treffen wird. Das liegt vor allem an unserer Abhängigkeit vom russischen Erdgas. Es ist Unsinn, wenn Ursula von der Leyen sagt, wir könnten uns mit Flüssiggas versorgen, dafür fehlt es an der Infrastruktur und den Schiffen.

Die Energiepreise steigen bereits wieder, was die Inflation treiben wird – gleichzeitig könnte die Konjunktur leiden. Wie reagieren die Notenbanken auf diese Zwickmühle?

Ich denke, sie werden es aussitzen. Wir haben ja auch keine Inflation auf breiter Front, sondern fast nur bei den Energiepreisen. Und auch die Europäische Zentralbank kann weder Gas noch Öl beschaffen. Deshalb werden wir uns im Zweifelsfall mit bis zu sechs Prozent Preissteigerung arrangieren müssen. Die Notenbanken werden frühestens bei einer Lohn-Preis-Spirale eingreifen, und die sehe ich aktuell nicht kommen.

Können Anleger die Inflation nutzen?

Rohstoffe sind jetzt eine gute Wahl, Gold, Silber und Palladium, gerne auch physisch. Die Preise sind zwar aktuell hoch, aber ich glaube nicht, dass sie schon ihre Spitze erreicht haben. In Krisenzeiten flüchten die Menschen in sichere Anlagen – und hier ist noch Luft nach oben. Auch die Aktien von Öl- und Gaskonzernen können jetzt profitieren – sofern sie nichts mit Russland zu tun haben.

Amerikanische Staatsanleihen erzielen wieder Positiv-Zinsen. Können Sie ein sicherer Hafen sein?

Können sie, aber nur die 10-Jährigen, alles was kürzer läuft, dürfte unter den kommenden Zinserhöhungen leiden. Zwar bringen auch die langfristigen Anlagen mit zwei Prozent Rendite nur einen Inflationspuffer, aber das ist beim heutigen Zinsniveau schon etwas wert. Zudem wird zwischenzeitlich wahrscheinlich der Dollar steigen, daran würde man zusätzlich verdienen.

Stabil und bis zu fünf Prozent Dividende – Sie sind ein Freund von Energieversorgern. Gilt das immer noch?

Ja, aber mit Ausnahmen. Unternehmen, die viel Geld mit Gashandel verdienen, sind jetzt natürlich ein Risikofaktor. Besser sind Versorger, die Netze besitzen und Erneuerbare Energien vertreiben. Beides wird immer gebraucht und ist unabhängig vom Weltgeschehen.

Russland droht ein Ausschluss aus dem Swift-Zahlungssystem. Welche Folgen hätte das für die deutsche Wirtschaft?

Ich denke keine. Der Anteil der deutschen Ausfuhren nach Russland liegt unter zwei Prozent, da ist China ein weit größeres Thema. Auch die Russen selbst haben bereits angekündigt, ein anderes Zahlungssystem nutzen zu wollen.

Noch drängender ist die Frage nach der Energieversorgung. Bereits jetzt warnen viele Betriebe. Brechen höhere Gaspreise der Konjunktur das Genick?

Das ist durchaus möglich, wir sind abhängig vom russischen Gas. Bisher haben die Russen immer geliefert, auch im Kalten Krieg. Die Kriegsangst sieht man auch an den Börsen. Aktuell halte ich beim Dax ein langfristiges Minus von fünf Prozent für möglich. Man weiß aber nicht, wie es sich entwickelt, wenn Europa mehr Sanktionen erlässt und die Lage weiter eskaliert. Wenn Russland uns das Gas abdreht, können wir froh sein, wenn wir über den Winter kommen, von der Industrie ganz schweigen. Man muss ja auch unangenehme Themen wie Cyber-Angriffe bedenken, bei denen die Russen Spezialisten sind. Sollte noch mehr passieren, erwarte ich eine starke Rezession in Deutschland und Europa. Deswegen ist es Unsinn, jetzt die Muskeln spielen zu lassen.

Sie haben den Börsen in Japan und Europa gute Chancen für dieses Jahr attestiert. Gilt das noch oder verschieben sich die Gewichte?

Damals war das richtig. Japan ist unterbewertet, und Europa hat bessere Gewinn- und Umsatzzahlen gemeldet als die USA. Aber nicht nur Europa, sondern auch Japan ist stark abhängig von Energieimporten. Deshalb muss ich davon abrücken.

Welche Regionen sind jetzt attraktiv?

Brasilien ist mit Erdöl, Agrargütern und Metallen ein starkes Rohstoffland und die einzige Börse, die in diesem Jahr nennenswert gestiegen ist. Auch der südafrikanische Index enthält viele Rohstoff-Unternehmen, darunter viel Gold.

Was ist mit Asien?

In Asien ist Indien noch stärker von Energieimporten – besonders Öl – abhängig als Japan. Besonders die südostasiatischen Länder wie Vietnam hängen stark an China. Die Chinesen sind aber fest im Bann ihrer Immobilienkrise, außerdem ist die Regierung in Peking unwillig, größere Schulden aufzunehmen als während der Finanzkrise, um den Markt zu stimulieren. Zuletzt war weniger Geld im Markt als letztes Jahr, da kann es eigentlich keine Entwicklung geben. Eine Erholung ist trotzdem möglich, immerhin haben sich die Emerging Markets in Asien besser entwickelt als der amerikanische S&P-500-Index. Sie ist aber eben nicht sicher.

Könnten die USA nicht profitieren?

Die amerikanischen Indizes wurden im vergangenen Jahr eigentlich nur von sechs Technologie-Unternehmen gezogen. Die haben teilweise Bewertungen von mehreren Billionen Dollar, also so viel wie ganze europäische Volkswirtschaften. Da muss man sich natürlich fragen, ob das nicht übertrieben ist. Außerdem steckt ja auch extrem viel Geld in diesen wenigen Papieren, dementsprechend viel Luft können sie auch verlieren. Es ist deshalb ratsam, jetzt die Gewinne mitzunehmen und gegen stabilere Anlagen zu tauschen.

Und wie wirkt der Krieg auf die Branchen?

Einige Rüstungstitel haben profitiert, und das werden sie denke ich auch weiter tun, weil wir es im Zuge des Krieges mit einer allgemeinen Aufrüstung zu tun haben. Auch Düngemittelhersteller und Agrarkonzerne können gewinnbringend sein, weil Russland Rohstoffe für viele Düngemittel liefert, was jetzt möglicherweise wegfällt. Außerdem kommen rund 28 Prozent des globalen Weizenexportvolumens aus Russland (16%) und der Ukraine (12%). Bei Banken sieht es schlechter aus, vor allem, wenn sie ein größeres Russland-Geschäft haben. Aber auch die erwartbaren Handelsblockaden werden die Branche schwächen. Dasselbe gilt für die Autoindustrie, auch die könnte leiden. Insgesamt halte ich jetzt ein gut gemischtes Portfolio für sinnvoll: 30 Prozent Anleihen, 30 Prozent Rohstoffe und Gold sowie deren Aktien und den Rest liquides Geld, weil man gerade einfach nicht sagen kann, was als Nächstes passiert.

 

Das Interview erschien am 25. Februar 2022 im Münchner Merkur.

 

 

 

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